Während Studiengebühren-Gegner in der Stadt demonstrieren, sitzt Sebastian Madyda (25) konzentriert vor seinem Laptop im Hauptgebäude der Universität. Weit und breit keine lauten Proteste, keine Plakate zur geplanten Einführung von Studiengebühren, die der künftige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers gestern ankündigte. Für Demos hab ich keine Zeit, sagt der angehende Schulmusiker Madyda, der neben dem Studium für seine Familie mit zwei Kindern sorgt und jobbt. Er hat zwar auch schon gehört, dass das Erststudium 500 Euro im Semester kosten soll. Aber ich hab mich noch nicht genau damit befasst. So geht es vielen.
Sebastian gehört zu den zigtausenden Studierenden in Köln, die sich nun jedoch mit dem neuen Studienfinanzierungsmodell auseinander zu setzen haben, das im Detail noch nicht feststeht. Die Reaktionen gehen weit auseinander. Einige betrifft es nicht, weil sie genug Unterstützung von den Eltern erhalten, andere fürchten, dass viele vom Studium ausgeschlossen werden, die knapp bei Kasse oder anderweitig benachteiligt sind oder sogar ihr Studium abbrechen müssen. Sebastian findet Darlehen- und Bafög-Fördersysteme mit sozialen Bedingungen unverzichtbar. Dabei darf es nicht nur um Leistungskriterien gehen, sonst wird das zu selektiv. Doch wenn das Geld den Unis direkt zugute käme, dann hätten wir wohl alle etwas davon.
Das ist hier vielleicht die Ruhe vor dem Sturm, meint eine Jurastudentin, die wie Bafög-Empfängerin Sarah Neumann noch keinen Schimmer hat, was auf sie zukommt. Eine Ruhe, die etwas mit einem Ohnmachtsgefühl zu tun hat, empfindet Sebastian Deubel (21). Viele denken, da kann man eh nichts machen, hier herrscht das Diktat der Wirtschaftlichkeit, so der Germanistikstudent und prophezeit den Untergang des Hochschulbildungswesens.
Kommilitone Elallali Abdelmounaim (24) hat Zukunftsängste: Ich bekomme kein Stipendium. Ich darf nur drei Monate im Jahr jobben. Wenn die Gebühren kommen, dann muss ich zurück nach Marokko. Sport- und Romanistikstudent Henning Halm glaubt, dass überall kurz oder lang die Studenten zur Kasse gebeten worden wären. Doch er zweifelt daran, dass die Hochschulen das Geld voll für sich erhalten, um die Bedingungen in diesem Massenbetrieb zu verbessern. Das wäre eine Investition auch für sich selbst.