BAD HONNEF / KÖNIGSWINTER. Eigentlich geht es an diesem idyllischen Fleckchen Erde ruhig und diskret zu. Etwas abseits der Schmelztalstraße hinter Bäumen verborgen treffen sich in dem Haus mit der Nummer 52 normalerweise tolerante Paare, wie es auf der blau-weißen Leuchtreklame heißt.
An diesem Montagabend aber ist im Traumland die Hölle los. Flammen schlagen aus dem Dach, dicker Qualm steigt aus dem gelben Gebäude in den Nachthimmel. Von der Drehleiter aus bekämpfen Einsatzkräfte die Flammen, entlang der abgeriegelten Landstraße verlegen andere hunderte Meter Schläuche, um die Wasserversorgung sicherzustellen.
Bäume behinderten
die Drehleiter
Von 20.30 Uhr am Montagabend bis zum frühen Dienstagmorgen dauerte am Ende der Einsatz von insgesamt rund 100 Feuerwehrmännern aus Bad Honnef und Königswinter. Auf mehrere hunderttausend Euro schätzte die Polizei gestern den Sachschaden, der bei dem Brand in dem Swingerclub entstanden ist (Rundschau von gestern). Verletzt wurde durch das Feuer niemand; der Club für tolerante Paare, wie er sich selbst nennt, hat montags Ruhetag. Über die Ursache des Feuers hatten Polizei und Feuerwehr gestern noch keine Erkenntnisse. Anhaltspunkte für eine vorsätzliche Brandstiftung gab es, so ein Polizeisprecher auf Anfrage der Rundschau, aber nicht.
In einem Raum im Obergeschoss - nach Angaben eines Traumland-Mitarbeiters das Spiegelzimmer - war das Feuer ausgebrochen. Die Flammen fraßen sich rasch durch die abgehängte Decke bis in den Dachstuhl - und brachten die Einsatzkräfte so zusätzlich in Gefahr.
Denn auf dem Dach des Gebäudes war eine Mobilfunkantenne montiert. Zunächst war unklar, ob der massive Mast noch fest verankert war oder wegen des Feuers vom Dach zu kippen drohte. Der gefällt mir gar nicht, der scheiß Mast da, schimpfte ein Retter.
Nachdem die Einsatzkräfte zunächst unter schwerem Atemschutz auch ins Innere des Hauses vorgedrungen waren, zog der Einsatzleiter, Kreisbrandmeister Walter Jonas, seine Leute auch Sicherheitsgründen aus dem Haus zurück und beschränkte sich zeitweise auf die Brandbekämpfung von der Drehleiter aus. Das ist nicht das Effektivste, sagte Jonas am späten Abend, aber wir können es derzeit nicht riskieren, unsere Leute da rein zu schicken.
Der Mobilfunkmast - Jonas` Sorge war am Ende unbegründet, die Antenne blieb stehen - war indes nicht das einzige Problem. Die Zufahrt vor dem Haus ist recht schmal, um die Einsatzmöglichkeiten der Drehleiter zu verbessern, fällten die Feuerwehrleute Bäume und Sträucher. Das Innere des Hauses war zudem extrem unübersichtlich durch viele Ecken, Nischen und Einbauten, so Jonas, der das Ganze als brandschutztechnisch höchst kritisch bezeichnete.
Versorgung mit
Wasser schwierig
Und: Der Honnefer Wehr war bekannt, dass es im Schmelztal Probleme mit der Löschwasserversorgung geben könnte. Deshalb wurden nicht nur die Schläuche entlang der Straße bis zum Obach gelegt, sondern sofort auch der 15 000 Liter fassende Tanklöschwagen des Oelberg-Löschzugs aus Königswinter angefordert. Insgesamt waren rund 20 Männer aus der Nachbarstadt nach Bad Honnef ausgerückt - sie kamen direkt vom einem Einsatz auf dem Petersberg (siehe Bericht unten).
Alarmiert wurden im Laufe des Abends zudem die Helfer des Bad Honnefer Malteser Hilfsdienstes (MHD) und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Sie versorgten die Einsatzkräfte mit Gulasch und heißem Zitronentee. Gegen die Kälte schützte ein Verpflegungszelt.