MORSBACH. Über Herkunft und Entstehung von Orts- und Familiennamen in der Region referierte Studiendirektor i. R. Lothar Wirths beim Morsbacher Heimatverein. Nachdem Vorsitzender Bernd Theile-Ochel zügig die Regularien der Jahreshauptversammlung abgewickelt hatte, trug der Referenten vom Bergischen Geschichtsverein neue Aspekte über die Erforschung der Namen vor. Familiennamen, so erläuterte Wirths, sind nicht alt. Unsere Vorfahren wurden noch im 16. Jahrhundert meistens mit dem Vornamen genannt, dem der Wohnort folgte. Beispiel: Johann in der Warnsbach.
In alten Steuerlisten wurden dann seit Anfang des 17. Jahrhunderts, falls in einem Ort Personen mit gleichen Vornamen wohnten, erste Familiennamen zur Unterscheidung hinzu gefügt. Diese Zunamen wurden dann weiter vererbt. Die Schreibweise der Namen war, wie alte Steuer- und Futterhaferlisten sowie Kirchenbücher belegen, damals oft willkürlich. Erst im 19. Jahrhundert wurden die Namenseintragungen amtlich reglementiert. Lothar Wirths trug eine Reihe von Beispielen für die Entstehung von Familiennamen aus dem Raum Morsbach vor. So wurde aus Peters Sohn Johann der Name Johann Peters. Oft erhielten zugezogene Personen als Familiennamen den Ort der Herkunft oder Geburt. Zielenbach, Alzer, Steckelbach, Solbach, Stausberg und Wisser sind Beispiele dafür. Manche Namen sind auch heute noch strittig. So kann der Nameninhaber Hammer aus dem Ort Hamm oder Hammer stammen oder auch Hämmer hergestellt haben.
Auch Spitz- oder Vornamen flossen in Familiennamen ein. Wirths: Aus Mathias wurde Theisen, aus Peter wurde der Familienname Peters. Auf die Frage eines Zuhörers, wo der Name Reuber herrühre, mutmaßte der Namenexperte unter lautem Gelächter, dass er entweder von Rübenbauer abstammen könne oder ältere Nameninhaber tatsächlich Räuber gewesen seien. Nicht zuletzt Eigenschaften und charakteristische Kennzeichen von Personen flossen in deren Familiennamen ein (Beispiele: Groß, Klein und Dick).
Ortsnamen sind, so Lothar Wirths, zum Teil viel älter als Familiennamen. Die ersten Ortsnamen entstanden bei der Besiedlung des Gebietes. Die erfolgte im Oberbergischen etwa ab dem 8. und 9. Jahrhundert. Die Erstnachweise einiger Orte datieren aus dieser Zeit. So ist das um 895 erwähnte Morsbach der älteste urkundlich genannte Ort im Oberbergischen Kreis.
Die erste Ansiedlung befand sich wohl in der Nähe einer moorigen Stelle an einem Bach (Moorbach). Lage und Natur prägten auch später viele Ortsnamen, wie Heide, Berghausen, Au und Hagen belegen. Namen mit keltischer oder römischer Herkunft, wie gelegentlich behauptet wurde, schließt der Experte für das Oberbergische aus. Auf die Entstehung von Orts- und Familiennamen geht Lothar Wirths in zwei Publikationen ein, die in Kürze erscheinen werden. (bu)