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Ganz jeck auf den richtigen Reim

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Am Anfang steht, wie kann es anders sein, bei der Büttenrede der Eingangsreim! Und der muss sitzen. „Wer es nicht schafft, das Publikum in den ersten zwei Minuten zu packen, der hat schon verloren. Der trägt nur noch ein Gedicht vor“, weiß Willi Armbröster, Altmeister der Reimrede im kölschen Fasteleer, aus 40-jähriger Bühnenerfahrung. Da hilft kein schnell eingeschobenes Witzchen, denn anders als der herkömmliche Büttenredner oder Comedian bietet der Reimredner seinen Zuhörern eine in sich geschlossene Geschichte. „Wenn der Zug rollt, kann ich nicht mehr abspringen.“ Deshalb muss bei der Reimrede alles stimmen. Das erfordert viele gute Ideen, ein exaktes Timing, dichterisches Geschick - kurzum eine Menge Arbeit und Gehirnschmalz.

Und dies ist vermutlich auch einer der Gründe, warum die Reimredner im Kölner Karneval eher dünn gesät sind. „Die Arbeit macht sich heute kaum noch einer“, sagt der 72-jährige. Knapp eine Hand voll Karnevalisten sind es, die das Genre pflegen. Willi Armbröster gehört dazu, ebenso „Et Rumpelstilzje“ Fritz Schopps und Carl Plückthun. Sie bieten in Versform Stöz un Klaaf us dem Levve - und sind damit Lichtjahre entfernt von der politischen Reimrede der Meenzer Fassenacht, die in der Regel mit dem moralischen Zeigefinger daherkommt. „Das liegt den Kölnern nicht. In Köln feiert man ausgelassener“, erklärt Fritz Schopps. Deshalb ist die kölsche Reimrede stets eine Typenrede - je verrückter, desto besser.

„Die Suche nach der richtigen Type steht für mich immer am Anfang einer neuen Rede“, berichtet Willi Armbröster, der 1967 seinen karnevalistischen Durchbruch als „Ne Fahrschüler“ feierte. Die Ideen dafür hatte er aus eigenem Erleben in der Fahrstunde gesammelt. Als Vereinsjeck, Strohwitwer, Hinterbänkler, Sesselsportler und Fußballfan reimt er seitdem in der Bütt, zuletzt als Vollzeitrentner -immer dicht dran am Alltag der Menschen. „Sobald die Type steht, beginne ich mit der Ideensammlung.“ Das Schreiben der Rede ist dann eine sehr wechselhafte und auch manchmal auch nervenaufreibende Angelegenheit: „Mal sprudelt es nur so aus meiner Feder. Dann sitze ich da und suche eine Woche lang nach dem passenden Reim.“

Reimlexikon und Synonym-Wörterbuch können gelegentlich eine kleine Hilfe sein, „doch letztlich kommt es auf die eigene Intuition an“. Manchmal steht Armbröster mitten in der Nacht auf, um eine plötzliche Idee zu Papier zu bringen. „Ich habe aber auch schon ganze Reden in den Papierkorb geworfen, weil ich einfach nicht zufrieden war“: So etwa seine legendäre Fußball-Rede, die dann Monate später ein glorreiche Auferstehung feierte.

14 Tage geht Fritz Schopps (59) in den Herbstferien in Klausur, um das Grundgerüst für seine neue Rede zu schreiben. Im November und Dezember wird dann weiter gefeilt. Denn die Aktualität ist sein Markenzeichen. Als „Antiautoritärer Lehrer“ hatte der Reimredner, der an der Willy-Brandt-Gesamtschule in Höhenhaus Mathe, Deutsch, Geschichte und Erdkunde gibt, 1980 sein Debüt in den Sitzungssälen. Seit dem „Märchenkarneval“ 1983 hat er mit dem „Rumpelstilzje“eine Type gefunden, die ein Sujet für alle möglichen Themen bietet. Seitdem jagt er Politiker, Sportler, Schöne und Mächtige und solche, die sich dafür halten, mit oft handfesten Versen durch das Märchenland.

Ein Reimlexikon braucht er dafür nicht, „ich gehe im Kopf einfach die Worte nach Alphabet durch.“ Auch wenn die Suche nach den passenden Reimen „oft ein mühsames Geschäft ist“, hält er am Genre fest: „Ich bin nicht der tolle Witzeerzähler. Mit der Reimrede kann ich eine Pointe Satz für Satz aufbauen, das Publikum geht dann richtig mit.“ Das kommt an, sogar in der riesigen Kölnarena, wo Schopps in dieser Session wieder auftritt. Und deshalb ist er überzeugt, dass die Reimrede im kölschen Fasteleer eine Zukunft hat: Die Jecken lieben, ist doch klar, die Abwechslung auch im nächsten Jahr.