Die Hauptwirkung der Wiesenrauten (Thalictrum) geht von den Staubgefäßen aus. Fedrig wie kleine Puderquasten stehen sie in viel-ästigen Rispen an den Triebspitzen zusammen. Leicht und duftig wirkt das. Mit ihrer Blütenfülle behaupten sie sich im Staudenbeet trotzdem. Durch ihre Höhe, die manchmal mühelos zwei Meter und mehr erreicht, sind sie zwischen Rittersporn und Glockenblumen, Storchschnabel und Silberkerzen unübersehbar.
Die heimische Akeleiblättrige Wiesenraute (Thalictrum aquilegifolium) ist zur Blüte Ende Mai bis Ende Juni ein lilarosa Traum. Wild wächst sie in den Alpen und Voralpen. Zum Glück ist sie sehr anpassungsfähig und akzeptiert auch frische, nährstoffreiche Gartenböden - gern in Teichnähe oder im wandernden Schatten lockerer Gehölze. Reizvoll wirkt sie im Kreis natürlicher Partner wie Trollblumen, Wiesen-Storchschnabel und Trichterfarn.
Kleine Kostbarkeit für Kenner
Sie passt auch sehr gut zur klarblauen Himmelsleiter (Polemonium caeruleum), weißen Wiesenmargeriten, grüngelbem Frauenmantel und den rötlichen Kerzen des Wiesenknöterichs. Staudengärtner bieten auch die „Album“-Form an, die weiße Schleier bildet. Oder Purpureum mit purpur Blüten und die violette Thundercloud.
Die Chinesische Wiesenraute (Thalictrum delavayi) gilt als Kostbarkeit für Kenner. Sie umrahmt das gelbliche Staubgefäß-Büschel mit vier schalenförmigen, purpurnen Blütenblättchen, die leider nicht lange halten. Zu Hunderten hängen sie im Juli an filigranen, schleierartigen, bis zu 1,50 Meter hohen Rispen. Von ihr gibt es mit Hewitts Double auch eine gefüllte Form. Im lichten und Halbschatten gedeiht sie in frischem, lehmig-humosem Boden.
Starke Konkurrenz ist in jüngster Zeit Thalictrum rochebrunianum, eine Wiesenraute aus Nordamerika. Sie blüht im Juni und Juli (meist mit Nachblüte bis in den September) mit etwas größeren, haltbaren Blütenschalen, aus denen das Staubgefäß-Büschel hervorblitzt.
Die Rispen sind ähnlich durchsichtig und elegant aufgebaut. Aber die Raute wächst kräftiger und straffer aufrecht. Mit bis zu zwei Metern Höhe liefert sie charmante Kontraste zu Taglilien-Horsten, mächtigen Schaublättern (Rodgersia) und Kreuzkräutern (Ligularia).
Hin und wieder werden Lavender Mist und Purple Mist angeboten, die bereits im Frühjahr mit violetten Austrieb auffallen. Diese Eigenschaft besitzt auch die Sorte Elin, die als Kreuzung zwischen der Amerikanerin und der Gelben Wiesenraute entstand. Erst mit Beginn der Blüte wandelt sich die Laubfarbe zu einem schönen, kräftigen Graublau. Zarter gefärbt sind die Blütenschalen, die gelben Staubgefäße dominieren mehr, so dass der Gesamteindruck der Blüten gelblich-weiß ausfällt.
Mit bis zu drei Metern Höhe präsentiert sich Elin von Ende Juni bis Mitte August.
Wer die violett oder weiß blühenden Wiesenrauten kennt, wird überrascht vor der Gelben Wiesenraute (Thalictrum flavum ssp. „Glaucum“) stehen. Sie wirkt robuster und farbstärker, was vor allem auf den reizvollen Kontrast zwischen den prächtigen gelben Blütenständen und dem blaugrünen Laub zurückzuführen ist.
Wie die Akeleiblättrige Wiesenraute besitzt auch Thalictrum flavum keine Blütenblättchen, sondern wirkt ausschließlich durch die Fülle der goldgelben Staubgefäße, die von Juni bis August einen angenehmen Honigduft verströmen. Mit 1,30 Metern Höhe wächst auch sie stattlich.
Wer nicht so viel Platz hat, findet in Thalictrum minus „Adiantifolium“ eine zierliche Alternative von 40 Zentimetern. Die Blüten sind sehr klein und wenig auffällig. Umso schöner zeigen sich die graugrünen Blätter, die an Frauenhaar-Farn erinnern. Im Herbst nehmen sie eine strahlend gelbe Färbung an. Für kühlfeuchte Ecken des Stein- oder Heidegartens eignet sich die nur zehn bis 15 Zentimeter hohe Japanische Wiesenraute (Thalictrum kiusianum). Wenn sie von Ende Juni bis Mitte August blüht, erscheint sie wie die winzige Schwester der Akeleiblättrigen Wiesenraute.
