BERGNEUSTADT – Wie feiert eine Gaststätte ihren hundertsten Geburtstag? Die Gaststätte „Jägerhof“ in der historischen Altstadt von Bergneustadt hat das 100-jährige Bestehen mit viel Lachen, Musik und Gerstensaft gefeiert.
Passend zur Tradition der Gaststätte der Familie Jaeger boten Heinz Jaeger und seine Frau Pla der munteren Gästeschar zum Essen deftige Wurstbrote. Die hätte es auch bei seinem Großvater Emil gegeben, der Gastwirt und Metzger war, sagte Heinz Jaeger. „Also gibt es heute Wurst, wie vor 100 Jahren. Aber keine Sorge, die Wurst ist nicht so alt, die ist frisch.“
Am 4. November 1910 kaufte Emil Jaeger der Familie Meurer die Gaststätte ab, die fortan „Jägerhof“ hieß. Bereits seit etwa 1800 bestand für das Wohnhaus mit Bäckerei in der Hauptstraße eine Konzession für Alkohol-Ausschank. 1896 hatte Bernhard Meurer die Gaststätte übernommen. Er verkaufte sie an Emil Jaeger, der etliche Umbauten vornahm, um große Feiern und Veranstaltungen durchführen zu können. Der „Jägerhof“ war jahrzehntelang der angesagte Treffpunkt für Tanz und Geselligkeit. Die ersten zarten Bande vieler Bergneustädter Ehen wurden beim beliebten „Tanz in den Mai“ im „Jägerhof“ geknüpft.
Heinz Jaeger übernahm 1982 die Gaststätte und den Saal von seinem Vater Fritz. Er ist Lehrer und betreibt den „Jägerhof“ mit seiner Frau Pla als Abendgaststätte. Viele Ur-Bergneustädter und vor allem Altstädter aus der Nachbarschaft sind Stammgäste. Dazu gehören auch Hans und Hannes Landau, die zum Geburtstag als „Vater und Sohn“ mit der irischen Mandola und dem Akkordeon Musik fürs Gemüt spielten. Eine Abordnung der Landsknechte nahm vor dem „Jägerhof“ Aufstellung und brachte Heinz Jaeger ihre Glückwünsche. Heinz Rehring spielte mit dem Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr ein Geburtstagsständchen.
Heinz Jaeger bedankte sich mit einem Augenzwinkern bei seinen Gästen: „Ich möchte als erstes meine Sponsoren begrüßen und ihnen danken. Das sind alle, die 100 Jahre lang ihr Geld hierher getragen haben.“ Lange Reden und Vorträge gab es nicht. Stattdessen verteilte Jaeger eine eigens gedruckte Festschrift mit liebevoll zusammengetragenen Informationen, Bildern und Anekdoten. Darin wird die traditionelle Verbundenheit des „Jägerhofs“ mit den Bergneustädtern und den örtlichen Vereinen deutlich. Die gegenseitige Sympathie war bei der 100-Jahr-Feier im „Jägerhof“ deutlich zu spüren.
