Neue Zeiten bringen neue Ideen und machen neue Kräfte mobil. Das Zitat stammt von Marie Juchacz, die Walter Heckmann, Vorsitzender des AWO-Bezirksverbandes Mittelrhein, bei einer Gedenkfeier zu ihrem 50. Todestag als moderne Frau bezeichnete. Die AWO-Gründerin sei Vorkämpferin für Demokratie, soziale Gerechtigkeit und die Gleichstellung der Frau, gewesen. Sie ist damit zu einer der bedeutendsten deutschen politischen Persönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts geworden.
Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes, AWO-Bundesvorsitzender Wilhelm Schmidt und die Generalkonsulin der Republik Polen in Köln, Elzbieta Sobótka, feierten den Jahrestag im Haus des Kreisverbandes Köln mit. Sobótka würdigte in einer temperamentvollen Ansprache das vorbildliche Leben der Tochter eines Zimmermanns, die während des Ersten Weltkrieges das allgemeine Wahlrecht der Frauen erstritt und die Wohlfahrtspflege in Deutschland ab 1919 entscheidend prägte. Als erste Frau in der Parlamentsgeschichte habe Juchacz eindrucksvoll für ein neues Deutschland plädiert, von dem sie Frieden, eine allgemeine Volksbildung und Chancengleichheit verlangte - Ansprüche, die auch in der heutigen Bundesregierung noch wichtigen Diskussionsstoff liefern sollten, erklärte die Generalkonsulin das über ihre Zeit hinausreichende Denken der damaligen SPD-Reichstagsabgeordneten. Feierlich legten Vorstand und Ehrengäste am Grab der Ausnahmefrau auf dem Südfriedhof einen Blumenkranz nieder.
Der AWO-Bundesvorstand zeichnet Menschen, die den Gerechtigkeitssinn und den Kampfgeist der AWO-Gründerin für die Belange der Notleidenden und Benachteiligten nachleben regelmäßig mit der Marie-Juchacz-Plakette aus. Diesmal erhielt Helga Kühn-Mengel, die Verbandsvorsitzende für den Rhein-Erft-Kreis, diese Auszeichnung. Bei der Verleihung würdigte der Vorstand vor allem ihre besonderen ehrenamtlichen Tätigkeiten. (nih)