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Gedenken vor OrtTrauern an der Stelle des Todes

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Köln – „Ein Schulwegunfall zwischen einem Lkw und einer Radfahrerin (12) ist tragisch geendet. Am 5. September verunglückte die Schülerin am Gottesweg in Klettenberg; gestern starb das Mädchen an seinen Verletzungen. . .“

Nur ein paar Zeilen. Sachlich, distanziert, kurz. Viele Schreckensnachrichten, wie jene aus der Rundschau vom 25. September 2007 verankern sich nicht im Langzeitgedächtnis. Dafür steht der Tod einfach zu oft in der Zeitung. An jener Stelle aber, wo es zu dem folgenschweren Unglück kam, ist die Erinnerung allgegenwärtig: Angehörige und Freunde haben am Gottesweg, Ecke Luxemburger Straße, eine Gedenkstätte errichtet. Blumen, Plüschtiere, Kerzen und Grablichter, manchmal auch Briefe, reihen sich rund um einen Betonmast auf dem Bürgersteig.

Wer durch Köln geht oder fährt, wird zunehmend mit dieser Form der Trauerbewältigung konfrontiert, sei es das schlichte Holzkreuz oder bunte Blumenmeer am Wegesrand. Von einem „neuen Brauchtum“ spricht Professor Reiner Sörries. Gedenkstätten an Unfallorten würden zunehmend zu Ersatz- oder Parallelgräbern, sagt der Direktor des Museums für Sepulkralkultur in Kassel. „Unwissentlich wird sich dabei an eine alte Tradition angelehnt.“ Sörries erinnert an die Sühnekreuze im Mittelalter, die an Orten aufgestellt wurden, wo etwas ganz Schreckliches passiert war.

Lena war kurz vor 8 Uhr morgens mit ihrem Fahrrad über den Gottesweg gefahren. Beim Überqueren der Luxemburger Straße erfasste sie ein Lastzug, der nach rechts abbiegen wollte. Der 47-jährige Fahrer konnte sie nicht sehen: Lena fuhr aus seiner Sicht im „toten Winkel“, wie er später gegenüber der Polizei angab.

Teddybär

hält Wache

Als die Zwölfjährige knapp drei Wochen später ihren Verletzungen erlag und der Schmerz bei Familie und Freunden unvorstellbar war, legten ihre Mitschülerinnen Briefe an der Unfallstelle nieder. Wie oft sie diesen Weg gemeinsam gegangen seien, war dort zu lesen. Und von dem Versprechen, weiterhin unzertrennlich zu sein. Daneben klebte ein Erinnerungsfoto: zwei lachende Mädchen, die sich umarmen. Die Fotos wechseln wie die Blumen. Nur ein grauer Teddybär trotzt schon seit Wochen Wind und Wetter.

„Junge Leute gehen mit ihrer Trauer unkonventioneller um als ältere Menschen“, hat Sörries festgestellt. Für viele sei die Gedenkstätte wichtiger als das Grab auf dem Friedhof, wo man mit dem Unglück nicht so direkt wie am Straßenrand konfrontiert werde.

Viele Passanten bleiben vor Lenas Gedenkstätte stehen, unabhängig ob die Fußgängerampel Rot oder Grün zeigt. Betretenes Schweigen, während der Lärmpegel durch den vierspurigen Verkehr auf der Luxemburger konstant hoch gehalten wird.

Offiziell ist das Aufstellen von Trauersymbolen nicht erlaubt oder zumindest genehmigungspflichtig. Von der „Sondernutzung des Straßenseitenraumes“ ist in der Behördensprache die Rede. Doch aus Respekt vor den Trauernden werden die Kreuze, Gedenktafeln und Blumensträuße geduldet, wie ein Sprecher der Stadt erklärt. Sollte allerdings die Gedenkstätte so umfangreich und auffällig gestaltet sein, dass sie andere Verkehrsteilnehmer behindert oder in Gefahr bringt, sieht sich die Stadt zum Handeln gezwungen.

Als Mahnmal oder Abschreckung im Straßenverkehr erzielen diese Orte keine Wirkung. Das haben wissenschaftliche Studien gezeigt, berichtet Professor Sörries. „Raser lassen sich von Holzkreuzen nicht aufhalten.“ Gedenkstätten haben primär eine Funktion: „Sie sind sinnhafter Ausdruck von Trauerarbeit und helfen vor allen den Angehörigen der Opfer.“