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Gerald BöseWeiße Weihnachten und ein roter Opel GT

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KÖLN – Bis ich ungefähr 15 Jahre alt war, habe ich Weihnachten mit meinem Bruder Dietmar und meinen Eltern bei den Großeltern in Berchtesgaden verbracht. Auf der Fahrt nach Bayern haben wir immer noch in München Halt gemacht und auf dem Viktualienmarkt Weißwürstl gegessen.

Damit meine Eltern und Großeltern am Heiligen Abend ungestört den Baum schmücken konnte, sollten wir Jungens uns verziehen. Wir sind meistens Ski gelaufen, hinter dem Haus war praktischerweise der Schlepplift. Meine Mutter und Großmutter haben derweil gebacken: Mohnkuchen, Vanillekipferl und Nusstorte. Als ich sechs Jahre war, starb mein Großvater ausgerechnet an Heiligabend. Seitdem sind wir in den folgenden Jahren nachmittags immer noch zum Friedhof gegangen.

Gegen 18 Uhr zog mein Vater dann endlich die Spieluhr auf. Zu den Klängen von „Stille Nacht“ durften wir ins Wohnzimmer. Mein sieben Jahre älterer Bruder und ich mussten abwechselnd Weihnachtsgedichte vortragen. Wir haben deswegen ziemlich gemeutert, irgendwann dann auch mit Erfolg.

Jeder hatte sein Geschenke-Häufchen unterm Christbaum liegen. Ich muss so zehn Jahre alt gewesen sein, als ich einen roten Opel GT Modellwagen mit versenkbaren Scheinwerfern und Fernsteuerung bekam - eine totale Überraschung, über die ich mich riesig gefreut habe. Nach der Bescherung haben wir traditionell Würstchen mit Kartoffelsalat gegessen oder Hering, später sind wir im Schnee noch in die Christmette gestapft. Oberhalb von Berchtesgaden haben die Gebirgsschützen in der Heiligen Nacht Salutschüsse abgefeuert. Das war sehr feierlich.

Die Festtage waren der Familie und Besuchen bei der Verwandtschaft vorbehalten, das Essen - es gab Gans und Sauerbraten - spielte eine zentrale Rolle. Wir Jungs wurden aber schon am zweiten Feiertag nervös und gingen mit Freunden lieber auf die Piste.

Weihnachten verbringen wir dieses Jahr in Karlsruhe, unter anderem mit meinem Vater, meiner Schwiegermutter und Geschwistern. Meine Frau, mein Sohn Felix (15) und ich schmücken den Baum am Vorabend gemeinsam. An Heiligabend, wenn das Glöckchen geläutet hat, stoßen wir erst zusammen mit einem Glas Champagner an, dann gibt es für jeden eine Kleinigkeit. Mein Sohn zum Beispiel bastelt Fotokalender für alle, die sehr gefragt sind. Nach dem Essen - wahrscheinlich machen wir Wild oder Fondue - sitzen wir noch lange zusammen und erzählen.

Am ersten Feiertag gibt es bei uns einen Brunch, am zweiten Feiertag machen wir einen Ausflug in den Schwarzwald mit anschließendem Abendessen. Meistens fahren wir nach den Feiertagen in den Schnee zum Skifahren. Für mich ist Weihnachten eine Zeit, die der Familie gehört, der Besinnung und dem Rückblick aufs Jahr.

Gerald Böse (46) ist Chef der Köln-Messe.