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Gerhard HerkenrathErster Applaus machte ihn verlegen

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Gerhard Herkenrath. (Bild: kr)

Köln – Wenn man Gerhard Herkenrath fragte, welche Anrede die richtige sei - „Herr Professor“ oder „Herr Pastor“ -, pflegte er zu sagen: „Pastor ist mir lieber. Aber Herkenrath stimmt immer.“ Das bedeutete aber nicht, dass der Pfarrer von St. Alban seinen Hauptberuf an der Katholische Fachhochschule, davon 15 Jahre als Dekan und sieben Jahre als Prorektor, nicht gern versehen hätte: „Als Professor musste ich mich theologisch fit halten und habe von den jungen Leuten viel gelernt. Umgekehrt hat die Arbeit in der Hochschule profitiert von den Basiskontakten in der Gemeinde.“

Für ein Jahr als Subsidiar benannt

Zum 1. Juni geht Herkenrath in den Ruhestand. Ganz müssen die Gemeinde und die vielen auswärtigen Gläubigen, die gern zu ihm in den Gottesdienst kommen, nicht auf ihn verzichten: Für ein Jahr ist er als Subsidiar benannt und soll auch weiter Gottesdienste halten. Dabei spielt allerdings die Frage eine Rolle, ob er die Pfarrwohnung nach wie vor ohne Unkosten benutzen darf. Langfristig will er ohnehin in ein renommiertes Seniorenheim ziehen. Auf jeden Fall wird Herkenrath den vielen Karnevalsvereinen, denen er verbunden ist, weiter für heilige Messen, Taufen, Trauungen oder Beerdigungen zur Verfügung stehen.

Das Schöne an einer Großstadt im Vergleich zu einem Dorf, findet der Geistliche, sei, dass man sich die Gottesdienste aussuchen könne: „Der eine geht in die Kupfergasse oder nach Pantaleon, der andere nach Theodor oder St. Alban.“ Wenige Pfarrer dürften so häufig Beifall nach einer Predigt bekommen wie Gerhard Herkenrath. Etwa als er zum Thema Missbrauch sagte, diese Fälle seinen schlimm genug, aber noch schlimmer sei der Umgang der Kirche mit dem Thema. „Nach dem ersten Mal Applaus war ich sehr verlegen. Aber dann habe ich mir gesagt: Wenn ich etwas angesprochen habe, das die Leute sehr bewegt, dann dürfen sie das auch zeigen.“

Wie der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick ist Gerhard Herkenrath auch der Meinung, dass Themen wie Zölibat, die Stellung der Kirche zu Sexualmoral und der Frau in der Kirche offen besprochen werden müssten. „Diese Thematik ist im Hintergrund von großer Bedeutung. Die Kirche vertritt den Zölibat als höchst heiligen Wert, und dabei weiß jeder, welche Heuchelei hinter der Lebenspraxis steht - punktuell oder auch in festen Verhältnissen.“ Und: „Laien und Frauen müssen viel mehr Einfluss in der Kirche bekommen.“ Der 75-Jährige hofft, dass da jetzt einiges in Bewegung gerät.

Für Herkenrath stehen „die Menschen an erster Stelle, in ihren Nöten, Sorgen, Bedürfnissen und Hoffnungen“. So hat er zum Beispiel dafür gesorgt, dass geschiedene Wiederverheiratete den Gottesdienst feiern konnten und damit mehr Verständnis gezeigt, als vom Kirchenrecht vorgesehen. „Kirchenrecht ist die am wenigsten theologische Disziplin in der Kirche.“ Herkenrath findet es „bedauerlich, dass Personalpolitik lediglich als Management auf das System orientiert ist, nicht auf den Menschen - Stichwort St. Aposteln“ (Pfarrer Christoph Biskupek soll nach Hochdahl wechseln, um die dortige Gemeinde zu befrieden). „Das kann man Aposteln nicht antun, Biskupek hat da was draus gemacht!“

Pfingsten steht vor der Tür. Was sagt uns das Fest? „Pfingsten ist enorm wichtig. Jesus hat uns in seinen Abschiedsreden immer wieder die feste Zusage gemacht, dass der Heilige Geist uns in alle Wahrheiten einführt. Das Pfingstereignis zeigt, dass sich die Menschen über Grenzen hinweg verstehen können. Jesus hat gesagt, alle sollen eins sein: So ist Pfingsten ein Fest der Hoffnung - auch für die Ökumene. Und es ist das Fest der Familie: Die Generationen können noch so unterschiedlich sein - wenn es darum geht, den Geburtstag der Oma zu feiern, dann sind se alle da.“

Unter anderem Lesen beschäftigt Herkenrath, nicht nur Theologisches, auch Aktuelles, Politisches, Historisches. Er kann aber auch eine halbe Stunde ganz still auf seinem Sofa sitzen und ins Grüne schauen: „Was für eine Fülle von Farbvariationen! Da fühle ich mich eingebunden und merke: Ich gehöre zu einer großartigen Schöpfung.“