EUSKIRCHEN/TROISDORF – Vor dem Bonner Landgericht müssen sich Mitglieder der Motorrad-Gang „Hells Angels“ unter anderem wegen Menschenhandels, Freiheitsberaubung, Zuhälterei und schwerer Misshandlung verantworten.Das Opfer war eine Freundin eines der Rocker. Die Mutter kämpfte gestern mit den Tränen: „Sie hat ihn sehr, sehr geliebt“, sagte die 54-jährige Zeugin. Aber auch als Mutter habe sie zunächst nur gute Erfahrungen mit dem neuen Liebhaber ihrer 24-jährigen Tochter gemacht.
„Er war sehr freundlich und zuvorkommend.“ Manchmal hatte sie ihn sogar in Schutz genommen – wenn ihre eigene Tochter „mal wieder impulsiv war, oder auch Geschichten erfand“.
Dass der heute 40-Jährige auch Mitglied bei den „Hells Angels“ ist, habe sie gewusst und ihn auch darauf angesprochen. Sie habe sich halt Sorgen gemacht. Damals soll der Rocker sie beruhigt haben: „Du brauchst keine Angst zu haben, sie ist ja meine Freundin.“Dieses Versprechen scheint allerdings nur von begrenzter Dauer gewesen zu sein. Denn Monate später soll die 24-Jährige, die damals in Rheinbach lebte, von dem geliebten Rocker und einem Ex-Mitglied der „Hells Angels“aus Euskirchen vier Wochen lang als Gefangene gehalten, mit Todesdrohungen zur Prostitution gezwungen, misshandelt und am Ende regelrecht gefoltert worden sein. Wegen Freiheitsberaubung, Zuhälterei, Raub, gefährlicher Körperverletzungsowie sexueller Nötigung wurden der 40-jährige Troisdorfer und ein 36-Jähriger aus Euskirchen angeklagt.
Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen war gestern Prozessauftakt vor dem Bonner Landgericht. Auf der Anklagebank saß auch die aktuelle Freundin des Troisdorfer Rockers, die sich wegen Beihilfe verantworten muss: Die 32-jährige soll bei den Misshandlungen zugeschaut haben. Zu den gravierenden Vorwürfen wollten die drei Angeklagten gestern nichts sagen.
Zwei Dinge jedoch sollten vorab klar gestellt werden. „Die Angelegenheit, die hier verhandelt wird“, so der Verteidiger des Troisdorfers, „ist eine reine Privatsache meines Mandanten und hat mit dem Motorradclub nichts zu tun“. Bekannt gegeben wurde gestern auch die Verlobung zwischen dem 40-Jährigen und der mitangeklagten Braut.Das Schweigen der Angeklagten brachte die Mutter des Opfers ins Zentrum des ersten Prozesstags: „Was damals wirklich passiert ist, haben wir erst aus der Zeitung erfahren. Unsere Tochter hat uns nichts erzählt.“ In der letzten Nacht, in der sie in den Fängen des Trios gewesen sein soll, habe sie angerufen und gesagt: „Mama, mir ist etwas ganz Schlimmes passiert. Ich bin auf dem Weg zur Polizei.“Den Beamten hatte die 24-Jährige detailliert über ihr Martyrium berichtet. Weil sie sich geweigert habe, weiterhin der Prostitution nachzugehen, habe man sie sogar gefoltert. Ihr sei zudem damit gedroht worden, sie mit einem Skalpell zu verstümmeln. Man habe sie auch mit Benzin übergossen und angezündet.Die neue Freundin des Troisdorfer Rockers habe das Ganze sogar mit einer Kamera gefilmt. Sie soll dabei gelacht und gedroht haben, das Video ins Internet zu stellen. Erst als die 24-Jährige vorgab, wieder ins Bordell zu gehen, ließ man sie gehen.Dann sei ihr zum Abschied noch damit gedroht worden, „ihre Eltern zu zerstückeln“. Dann sei sie unmittelbar zur Polizei gelaufen.(ucs)