Siegburg – Kaum aus den Sommerfreien zurück, geht es für die Kinder der Freien Christlichen Gesamtschule Rhein-Sieg schon wieder auf Tour. Möglichst schnell nach den ersten Wochen Unterricht will der designierte Schulleiter Gerhard Ille mit den Fünftklässlern auf eine einwöchige Klassenfahrt mit Erlebnispädagogik gehen. Sei das für Zehnjährige, die meist auch noch nie ohne Eltern Urlaub gemacht haben, nicht recht ungewöhnlich, fragte die Rundschau. Ja schon, meinte Gerhard Ille, aber das führe dazu, dass sich die Kinder schnell zusammenraufen und eine Gemeinschaft bilden.
Die Fahrt sei dafür eine prima Grundlage. Er habe mit diesem pädagogischen Konzept sehr gute Erfahrungen gemacht, sagte der Lehrer, der im April 58 Jahre alt wird und bereits Gesamtschule und Gymnasium des Rheinisch-Bergischen Vereins Freier Christlicher Schulen in Düsseldorf geleitet hat.
Illes Credo: „Die Gesamtschule ist geschaffen für Schüler, die Spätzünder sind. Viele brauchen halt ihre Zeit.“ Darauf nehme die Gesamtschule Rücksicht und damit habe sie Erfolg, sagte er und berichtetet von seinen Düsseldorfer Erfahrungen. Dort erreichen 60 Prozent der Zehntklässler die Qualifikation für die Oberstufe, die anderen mit Mittlerer Reife oder Hauptschulabschluss seien ebenfalls bestens qualifiziert für weitere schulische Ausbildungen oder handwerkliche und andere Berufe.
Seine nächste Station ist nun also Siegburg, wo der Verein bereits eine Grundschule „Auf den Tongruben“ hat. Erstmals hatte der Trägerverein zur Elterninformation für die im Sommer startende Gesamtschule ins leer stehende Agraramt an der Frankfurter Straße eingeladen, dessen Mitarbeiter zur Bezirksregierung Köln gezogen sind. Zwei, drei Jahre will der Verein in dem praktischen Gebäude, in dem es schon Kantine und Mensa gibt, zur Miete bleiben, bis die Klassen in den geplanten Neubau einziehen. Wo der hinkommt, wollte Thomas Tonn vom Management des Rheinisch-Bergischen Vereins der Rundschau noch nicht verraten, weil man gerade in den Grundstücksverhandlungen stecke. „Auf jeden Fall ist es Siegburg“, sagte er, wegen des Bahnhofs und der guten Verkehrsverbindungen. Schließlich wolle man Schüler aus dem ganzen Rhein-Sieg-Kreis aufnehmen.
Bisher hat der Verein 50 Anmeldungen. Deshalb freute sich Ille: „Wir fangen mindestens zweizügig an.“ Ob sich nach der vorläufigen Gesamtschul-Absage in Sankt Augustin viele dort enttäuschte Eltern gemeldet hätten? Bisher nicht, aber das könne ja noch kommen, wenn die Eltern mit ihrer Klage vor Gericht im Sankt Augustiner Fall nicht durchkämen. Auf weitere Anmeldungen kann Gerhard Ille noch bis in die Sommerferien hoffen, weil für die als staatliche Ersatzschule geltende Privatschule keine Anmeldefristen gelten.
Ein Thema im Agraramt war natürlich die Religion. Und da sagte Ille klipp und klar, als christliche Gesamtschule verlange man von den Lehrern christliche Weltanschauung, egal von welcher Konfession. Wie das denn mit den Eltern und Schülern sei? Ille: „Wir zwingen niemanden. Glaube ist eine freiwillige Angelegenheit.“ Die Schule bestehe aber auf der christlichen Werteorientierung, bei der jeder Schüler mitmachen müsse. Dazu zähle in jeder ersten Unterrichtsstunde eine fünfminütige Morgenandacht und ein Schulgottesdienst pro Woche. Interessantes erzählte Lehrer Martin Knietsch vom christlichen Düsseldorfer Gymnasium. An den Schulveranstaltungen und am Religionsunterricht nähmen dort auch muslimische und jüdische Kinder teil. Das sei höchst spannend für die Schüler, wenn die Evangelischen von den Katholischen etwas über die Beichte erfahren, beide zusammen davon, was der Islam unter einer Sünde versteht, und der Jude erzähle, wie es im Judentum zugehe. Da lerne man gegenseitig Respekt unter den Religionen, sagte Knietsch zur Rundschau.
