HÜRTH. Bei der Biotonne fällt seit ein paar Wochen neben dem Volumen auch die Schwere des Inhalts ins Gewicht. Während es früher reichte, wenn der Deckel gerade noch zu ging, lassen die Müllwerker den Behälter neuerdings ungeleert stehen, wenn er deutlich zu viel wiegt. Das passierte jetzt auch dem früheren Ratsherrn Karl Engelskirchen. Empört schrieb er daraufhin einen Beschwerdebrief an die Stadt.
Wie alle Besitzer der großen 240-Liter- Tonne, die für Gartenabfälle und Biomüll gedacht ist, fand Engelskirchen kürzlich einen gelben Aufkleber auf dem braunen Gefäß. Zulässiges Füllgewicht maximal 100 kg ist darauf zu lesen. Engelskirchen rätselt nun: Muss ich die Tonne jetzt auf die Waage stellen? Woher soll ich denn wissen, wann die 100 Kilo erreicht sind? Er stellt sich auch die Frage, ob die Müllwerker selbst die Tonne wiegen. Sonst ist der Willkür doch Tür und Tor geöffnet, glaubt Engelskirchen.
Zwar leerten die Stadtwerke seine Biotonne nach einem Anruf doch noch. Doch Engelskirchen geht es um die Grundsatzfrage.
Vom Grundsatz her hat die 6. Änderung der Abfallentsorgungssatzung vom 13. Februar die Füllgewichtsbegrenzung für die 12 000 Biotonnen in Hürth festgeschrieben, erklärt Stadtwerkevorstand Dirk Ahrens-Salzsieder. In die kleinere 120-Liter-Tonne dürfen nur noch 60 Kilogramm eingefüllt werden, in die doppelt so große Tonne höchstens 100 Kilo.
Die Gewichtsbegrenzung sei aus gutem Grund eingeführt worden. Es gibt ein paar Spezialisten, die stopfen alles rein, bis sich die Achse mit den Rollen unter den Tonne biegt, so der Stadtwerkeboss. Dies habe in der Vergangenheit dazu geführt, dass Tonnen zerbarsten oder bei der Leerung in den Müllwagen rutschten. Bisweilen seien randvoll mit nassem Rasenschnitt oder mit Tierstreu gefüllte Biotonnen so schwer gewesen, dass sie von der Schüttmechanik des Müllwagens erst gar nicht angehoben werden konnten.
Für solche Ausreißer brauchen wir eine Handhabe, erklärt Ahrens-Salzsieder, warum die Gewichtsbegrenzung eingeführt wurde. Ob da jetzt 100 oder 110 Kilo drin sind, ist nicht genau festzustellen. Darauf kommt s aber auch nicht an. Zwar räumt Ahrens-Salzsieder ein, dass es in Einzelfällen zu Diskussionen kommen kann, er appelliert aber an den gesunden Menschenverstand - auf beiden Seiten. Im Streitfall müssen unsere Leute halt nachweisen, dass die Schüttung nicht funktioniert, so der Stadtwerkeboss.
Wenn die Tonne zu klein ist, gibt s aber noch eine andere Lösung, ganz ohne Diskussion mit den Müllwerkern. Denn auch eine zweite Tonne ist - wie die erste - kostenlos.