Bergisch-Gladbach – Wer sich jüngst gewundert hat, dass ein katholischer Priester so locker und ohne alle Berührungsängste bei einer Filmhochzeit in einer evangelischen Kirche mitmacht, bei der sich Teile der Brautgesellschaft in Vampire verwandeln, der hatte ein gute Nase: „Bruder“ beziehungsweise „Pater“ Norbert Schuwart, der im Dienste des Rap-Sängers Eko Fresh in der Gladbacher Gnadenkirche für das Video „Königin der Nacht“ am Altar posierte, hat mit der Römisch-Katholischen Kirche so viel zu tun wie eine Pseudo-Rolex aus Shanghai mit einem Schweizer Edelchronometer gleichen Namens.
Norbert Schuwart (auch Szuwart geschrieben) tritt gerne als „Erzbischof“ des „Ordens der Mariaviten in Deutschland - Auslandsjurisdiktion“ auf.
Der Gruppierung, die im Wesentlichen von dem 68-Jährigen selbst verkörpert wird, ist bereits 1993 vom Landgericht Köln verboten worden, sich katholisch zu nennen, was vom Oberlandesgericht ein Jahr später nochmals bekräftigt wurde - Urteile, die der Mariaviten-Pater aber schon mal vergisst zu erwähnen, wenn er sich für allerlei Zeremonien mit katholischem Flair buchen lässt. „Das ist ein Privat-Pater, den Sie für apokryphe Trauungen mieten können“, sagt Willibert Pauels, römisch-katholischer Diakon von Wipperfürth, dem der Etikettenschwindel sofort aufgefallen war. Obwohl er im Karneval auch gerne mal verkleidet unterwegs ist - als Büttenredner „Ne Bergische Jung“ - hat er für Mummenschanz à la „Königin der Nacht“ nichts übrig. „Wie oberflächlich gehen wir eigentlich mit unserer eigenen Religion um“, fragt er empört. „Wenn wir unsere Kirche so verwursten, müssen wir uns über Kritik nicht wundern.“ Die Kirche demontiere sich doch da praktisch selber.
Das geht gegen das Video-Projekt, aber auch gegen den umtriebigen Mariaviten-Pater, der sich offenbar für keinen Gag im Namen des Herrn zu schade ist. Am Ende der kurzen Trauungsszene in der Gnadenkirche, mit der das Musikvideo eingeleitet wird bleckt er die Zähnen zum diabolischen Lachen und rollt gefährlich mit den Augen. „Ich habe denen gesagt, ich mache bei keinem Klamauk mit“, betont er jedoch. „Es geht doch nur um die Hochzeit.“
Weiter: „Und wenn das positiv rüberkommt, bei all den jungen Leuten, die diese neue Musik hören wollen, bin ich dabei.“ Sieht er seinen Einsatz also als Imageförderung für die Kirche? „Unbedingt! Ich finde die Kirche sollte sich sowieso mehr den Medien öffnen.“ Was Pater Norbert unter Medienarbeit versteht, zeigte er 2003, als er Kölns Original-Erzbischof Joachim Meisner unter großer Presseaufmerksamkeit wegen Volksverhetzung anzeigte - Meisner hatte sich kritisch zur Homosexualität geäußert.
Auch damals trat der Mariavit als waschechter katholischer Pater auf: Für das römisch-katholische Erzbistum, das bereits 1984 vor ihm warnte, nichts als Hochstapelei. „Wir sind kanonisch nicht anerkannt“, gibt Pater Norbert zu, „aber wir sind katholisch vom Hintergrund, von der Tradition, vom Kultus her.“
Die Mariaviten, in deren Ursprungsland Polen es zwei verschiedene Kirchen dieses Namens gibt, grenzen sich aber ebenfalls gegen den Kölner Ableger ab. Weder die Katholischen Mariaviten (2000 Gläubige) noch die Altkatholischen Mariaviten (30 000 Gläubige) noch der ökumenische Mariaviten-Orden wollen etwas mit dem Kölner Einzelkämpfer zu tun haben. Der bleibt trotzig: „Dem Geist nach bin ich katholisch. Das lasse ich mir nicht nehmen.“