Rudi Hauser ist rumgekommen: Kalifornien, Melbourne und Hawaii waren nur einige Stationen. Als österreichischer Profi-Golfer musste der heute 57-Jährige mobil sein. Das ist auch einer der Gründe, weshalb der geborene Salzburger sich schließlich für den ruhigeren Job als Teaching Pro, als Golflehrer, entschied. Mir war einfach meine Familie wichtiger.
35 Jahre ist es nun fast her, dass Rudi Hauser begann, Golf zu unterrichten. Seit 1987 ist er Head Pro, der wichtigste professionelle Golfer im Golfclub Burg Overbach und führt dort zusammen mit seiner zweiten Frau Astrid den Pro Shop, in dem sie Golf-Zubehör verkaufen. Vorher arbeitete er 12 Jahre lang im Niederrheinischen Golfclub in Duisburg, ehe er den Lippischen Golfclub Blomberg Cappel mit aufbaute. Nach sechs Jahren in der Nähe von Detmold bekam ich dann von der Burg Overbach ein sehr gutes Angebot, erzählt Hauser. Ich war positiv überrascht von der unkomplizierten Art der Rheinländer, die im krassen Gegensatz zu den verschlossenen und sparsamen Lippern stehen.
Wie Bernhard Langer, den der heutige Mucher auch persönlich kennt, begann er seine Karriere als Caddy. Meine Eltern konnten es sich nicht leisten, Golf zu spielen, erzählt er. In Österreich war das damals ein ganz elitärer Sport. Deshalb beendete er die Schule und machte zunächst eine Ausbildung zum Klempner. Doch über ein sehr gut befreundetes Ehepaar bot sich ihm die Möglichkeit, Mitglied des Golfclubs Kleßheim zu werden. Ich war ziemlich motiviert, weil ich zeigen wollte, dass auch finanziell schwächere Leute gut spielen können, so Hauser.
Und das gelang ihm auch. Er nahm keinen Unterricht, sondern brachte sich alles selbst bei - durch Zuschauen, Lesen und viel Üben. Täglich stand er drei Stunden auf der Übungswiese, und bald konnten die anderen Clubmitglieder nicht mehr an ihm vorbei schauen: Zwischen 1960 und 1969 wurde er dreimal österreichischer Jugendmeister und errang zweimal den zweiten Platz in der Nationalmannschaft. Insgesamt 12 Mal war er für Österreich im Worldcup vertreten. Da es in seiner Heimat keinen Golflehrerverband gab, entschloss Hauser sich mit 23 Jahren, nach Deutschland zu gehen, um in Duisburg die Ausbildung zum Golflehrer zu absolvieren. 1975 wurde er Head Pro und übernahm auch den dortigen Pro Shop.
Die drei Kinder, zwei Söhne aus der ersten Ehe seiner Frau und die gemeinsame Tochter Carolin, spielen - natürlich - alle Golf. Lars, der Älteste, spielt sogar Handicap 2, erklärt der stolze Vater. Much ist für Rudi Hauser zur zweiten Heimat geworden: Hier ist es ein bisschen wie im Alpenvorland, sagt er. Gemeinsam mit Golflehrer Thomas Menne betreut er auf Burg Overbach alle Altersgruppen. Berühmtheiten wie den 23-jährigen Marcel Siem hat er als Jugendlichen trainiert. Immer wieder geht Hauser auf Fortbildungskurse, liest Golf-Bücher und informiert sich über die neuesten Techniken - denn die verändern sich ständig. Dem Turniersport hat der 57-Jährige abgeschworen. Irgendwann muss man sich nichts mehr beweisen, sagt er. Aber mit den Mitgliedern des Golfclubs, da misst er sich noch gerne.