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Großen Auftritt verschlafen

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TROISDORF. Wenn der Kleine nicht hören will oder die Kleine alle guten Worte ignoriert, dann muss das nicht mit einem Dickschädel zu tun haben. Die Kinder können schlicht an Hörstörungen leiden. Und die werden oft jahrelang nicht bemerkt. Denn, so Dr. Hansjörg Vehreschild, Leitender Oberarzt in der Geburtshilflichen Abteilung des St.-Johannes-Krankenhauses in Sieglar, „Kinder kompensieren das bis zum Alter von zwei, drei Jahren sehr gut.“ Einseitige Taubheit werde in der Regel erst im Vorschulalter festgestellt. Diese Aussagen gelten allerdings nicht mehr für Kinder, die in Sieglar geboren werden. Im vergangenen Jahr immerhin 1227. Denn dort gehört das so genannte Hörscreening seit Anfang dieses Jahres zum Standard-Untersuchungsrepertoire für Babys.

„Das Ding hat 7000 Euro gekostet“, sagte Krankenhaus-Geschäftsführer Markus Richter. Für diesen „lächerlichen Betrag“ wurde ein Testgerät angeschafft, dass einfach zu handhaben sei und sichere Ergebnisse liefere. Zudem ist die Untersuchung weder mit Schmerzen noch mit Risiken verbunden. Bestes Beispiel dafür war der kleine Adrian, der heute sechs Tage alt wird. Er verschlief schlicht seinen großen Auftritt, als Oberarzt Dr. Vehreschild, Chefarzt Dr. Bernd Werling und Schwester Ute Kohlwey das Gerät den Presseleuten vorführten.

„Wichtig ist, dass die Babys ganz ruhig sind,“ so Vehreschild. Dann wird ein kleiner Stöpsel mit Sensor und Fühler, der luftdicht abschließt und einen Ton aussendet, in den äußeren Gehörgang geführt. Ein gesundes Innenohr antwortet auf den Ton mit einem eigenen Ton, der wiederum gemessen und analysiert wird. Die ganze Prozedur mit dem mobilen Gerät, das an die Minicomputer von Politessen erinnert, dauert je Ohr keine Minute. Chefarzt Dr. Werling sagte, die Untersuchung sei nur der erste Schritt, dem gegebenenfalls weitere folgen müssten, um der Ursache für einen Hörschaden möglichst in den ersten drei Lebensmonaten auf den Grund zu gehen und damit zu verhindern, dass die Sprachentwicklung der Kinder leidet, dass Lernstörungen auftreten und dass das ab- strakte Denkvermögen und letztlich die Intelligenz beeinträchtigt wird. Immerhin kämen in Deutschland ein bis zwei von 1000 Kindern mit einer schweren Hörstörung zur Welt. Deshalb müsse es das Ziel sein, das Hörscreening wie in Österreich und den USA verbindlich vorzuschreiben. Im Gegensatz zu Nordrhein-Westfalen gebe es in Bayern, Rheinland-Pfalz und Hamburg immerhin bereits einige Modellversuche.

Kein Modellprojekt ist eine Hilfe, über die man in Sieglar nicht viel Aufhebens macht. Im St.-Johannes-Krankenhaus besteht die Möglichkeit der anonymen Geburt, bei der Mütter weder Name noch Adresse angeben müssen. Werling sagte, man wolle Schwangeren und Kindern helfen und verhindern, dass - wie im Dezember in Sankt Augustin geschehen - Babys ausgesetzt werden. Markus Richter: „Als Krankenhaus mit kirchlichem Träger haben wir eine besondere Verantwortung.“