KOMMERN. Erwin und Marianne Neu wohnen seit über 30 Jahren im Mühlenthal, an einem landwirtschaftlichen Weg, auf dem eigentlich nur landwirtschaftliche Fahrzeuge zu den Feldern fahren dürfen. Doch Mühlenromantik will bei den Neus nicht aufkommen, da Ortskundige den geteerten Weg als Abkürzung von der Kreuzung am Mühlenpark in Richtung Hostel nutzen.
Sobald wir morgens um sieben die Schranke öffnen, die zurzeit wegen der Krötenwanderung aufgebaut ist, warten bereits die ersten Autos, sagt Erwin Neu, bei dem Erregung und Wut in der Stimme mitschwingen. Zwischen zehn und 15 Fahrzeuge rauschen in einer Stunde am Haus vorbei. Neu: Teilweise ist die Geschwindigkeit so hoch, dass man noch nicht einmal das Nummernschild sehen kann. Selbst die Traktoren erreichten eine Geschwindigkeit von 40 km / h und mehr.
Da meint man, es rollen Panzer an. Das Ehepaar fühlt sich dadurch nach eigenen Worten in der Lebens- und Wohnqualität beeinträchtigt. Meine Frau denkt mittlerweile schon daran, das Haus zu verkaufen, sagt der Berufskraftfahrer, der bereits zwei Herzinfarkte hatte.
Bislang hat nichts geholfen. Versuche, die Fahrer in einem Gespräch darauf hinzuweisen, dass der Weg nur für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben sei, endeten damit, dass die Fahrer mit der Polizei und mit körperlicher Gewalt drohten. Die Polizei kontrollierte den Weg bereits.
Alle Autofahrer hätten allerdings plausibel gemacht, dass sie gerade vom Feld kämen, so Neu. Auf den Rat eines Polizisten setzten sie die Autos versetzt auf den Weg. Damit brachten wir nur die Landwirte und Fahrer der Pferdetransporter gegen uns auf, die drohten, unsere Fahrzeuge in den Bach zu schieben, schildert das Ehepaar im Brief an die Verwaltung. Es fordert darin die Sperrung des Wegs, zumindest aber entsprechende Maßnahmen, die den Durchgangsverkehr einschränken. Wir würden uns eine feste Schranke wünschen und haben kein Problem damit, diese für die Bauern in der Dünge- und Erntezeit zu öffnen, schlägt Neu vor. Damit sei man aber den Durchgangsverkehr los.
Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick sieht sich in einem Dilemma. Da der Weg mit landwirtschaftlichen Fördermitteln geteert wurde, kann die Stadt ihn nicht sperren. Aber eine Möglichkeit, Ortskundige davon abzuhalten, den Weg als Abkürzung zu nutzen, sieht er nicht.
Das Problem haben wir auch an vielen anderen Stellen im Stadtgebiet, sagte Schick. Er habe keine Lösung für diesen Gordischen Knoten. Wulf-Dietrich Simon (UWV) argumentierte für eine Schranke auf Probe: Die Landwirte sollten einen Schlüssel bekommen, so viele können es ja nicht sein. Landwirte aus dem Publikum hatten nichts gegen diesen Vorschlag, befürworteten statt des Handbetriebs allerdings eine Funksteuerung. Zu umständlich und zu teuer, lautete die Antwort der Fraktionen. Die Stadt will jetzt die Fahrzeuge zählen und ihre Geschwindigkeit messen. Wenn wir diese Zahlen haben, können wir weiter entscheiden, sagte Schick im Ausschuss.
Familie Neu bleibt bislang nur der Trost, dass während der Bauarbeiten am Kreisverkehr Mühlenpark der landwirtschaftliche Weg vorübergehend gesperrt sein wird. Es ist ein schwacher Trost, befürchtet die Familie doch, dass sich die Lage im Anschluss weiter zuspitzt. Sollte der geplante Kreisverkehr auf der Kreuzung Mühlenpark B266 / B477 fertig gestellt sein, befürchten wir eine weitere Zunahme des Verkehrs, da dann noch mehr Fahrer die Abkürzung benutzen, heißt es im Brief. Für den Fall, dass die Stadt nichts tut, will Neu notfalls zur Selbsthilfe greifen und den Weg mit seinem Auto sperren. (bds)