KOBLENZ / KREIS AHRWEILER. Laufen ist die Leidenschaft von Janine Pankok. Das hält die Kriminal-Hauptkommissarin seit Jahren fit. Dass die sportliche Betätigung im Freien nicht ohne Risiko ist, hat die junge Marathonläuferin vor einigen Jahren am eigenen Leib erfahren. Ein Fremder griff sie beim Training an, die resolute Polizistin wehrte die Attacke ab. Zwei Morde an jungen Frauen im Frühjahr haben das Kommissariat für polizeiliche Kriminalprävention, zu dessen Zuständigkeitsbereich auch der Kreis Ahrweiler gehört, zu der Initiative Sporttreibende Frauen veranlasst. Einzelheiten wurden gestern in Koblenz vorgestellt.
26. April 2004, auf einem Radweg zwischen Ochtendung und Polch im Kreis Mayen-Koblenz: Eine Inline-Skaterin (18) wird überfallen und umgebracht. Bereits mehrere Stunden später wird ein 39-Jähriger festgenommen, der mehrfach als Sexualttäter vorbestraft ist. Sonntag, 23. Mai: Während des morgendlichen Joggings auf einem Waldweg in der Nähe von Vettelschoß-Kalenborn im Kreis Neuwied lauert ihr späterer Mörder einer 39-jährigen Freizeitsportlerin auf. Ein 46-Jähriger wird noch am gleichen Tag festgenommen. In beiden Fällen dürften sexuelle Motive eine Rolle gespielt haben.
Angriffe auf Freizeitsportlerinnen, besonders wenn sie alleine und in abgelegenen Gebieten unterwegs sind, sind häufiger, als sie die Polizeistatistik ausweist. Klaus Welter, Leiter der Regionalen Kripo- Direktion, geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Unterhalb einer bestimmten Schwere der Angriffe werde in den seltensten Fällen Anzeige erstattet.
Die Verunsicherung bei den Frauen ist nach den spektakulären Mordfällen im Frühjahr da. Nicht immer gelingt es, zusammen mit einer oder mehreren Sportlerinnen zu laufen. Sollte sich eine Frau einem Angriff gegenüber sehen, rät Janine Pankok dazu, Selbstbewusstsein zu zeigen, Angst zu unterdrücken nach dem Motto Ich muss aktiv sein, nicht der potenzielle Täter. Frühes Wehren erhöhe die eigene Chance, schadlos davon zu kommen. Eine entschlossene Reaktion sei angeraten.
Was die Frauen, die unabhängig von Alter und Aussehen Opfer einer Attacke werden können, beim Walken, Joggen oder Radfahren beachten sollten, darüber informiert ein Faltblatt, das ab sofort bei den Polizeidienststellen im nördlichen Rheinland-Pfalz ausliegt oder beim Kommissariat für Polizeiliche Kriminalprävention, Ruf (02 61) 10 31, angefordert werden kann, ebenso ein Vortrag zu den Themen Wo sind Frauen wirklich gefährdet? Was können Sie zur Vorbeugung tun.
Noch stärker möchte sich die Polizei den Interessen und Bedürfnissen von Opfern widmen. Menschen, die Opfer einer Straftat geworden sind, erhalten Beratung und Information von Diplom-Sozialarbeiterin Michaela Leyendecker im Polizeipräsidium Koblenz, Ruf (02 61) 1 03 28 74.
Eine pfiffige Idee hatten die Leitstelle Kriminalprävention beim Mainzer Innenministerium und die Geschäftsstelle des Kriminalpräventiven Rates der Stadt Koblenz. Polizeibeamte und Polizeibeamtinnen, die sich im Freien sportlich betätigen, können künftig das eigens für die Präventivaktion hergestellte T-Shirt mit dem Logo Ihre Polizei - laufend mit dabei überziehen. 150 Exemplare stehen zur Verfügung.
Von dieser Präsenz erhoffen sich die Behörden zwei wichtige Auswirkungen: Die Läufer und Läuferinnen im grünen Leibchen geben anderen Sportlern ein erhöhtes Gefühl von Sicherheit. Auf der anderen Seite kann man davon ausgehen, dass potenzielle Gewalttäter durch die sichtbare Polizeipräsenz abgeschreckt werden. (uko)