TROISDORF. Er hat selbst nie Alkohol getrunken. Ich bin 54 Jahre alt und 54 Jahre trocken, sagte Helmut Krethe zur Rhein-Sieg Rundschau. Er ist Bundesvorsitzender der Guttempler in Deutschland, die sich wie etwa die Anonymen Alkoholiker und andere teils auch konfessionelle Organisationen der Bekämpfung der eigenen oder fremden Alkohol- und Drogensucht verschrieben haben. 6500 Guttempler gibt es in Deutschland.
400 davon haben sich am Wochenende in Troisdorf zum Guttemplertag getroffen, bei dem es um Informationsaustausch und Geselligkeit geht. Im jährlichen Wechsel mit diesem Treffen findet der Bundesverbandstag statt, bei dem Beschlüsse gefasst und Vorstände gewählt werden.
Warum er denn bei den Guttemplern und auch noch deren Vorsitzender sei, wollte die Rundschau nach der auf den ersten Eindruck überraschenden Auskunft wissen. Mein Vater war Alkoholiker und hat mich sehr viel geschlagen, antwortete Helmut Krethe. Das alles habe sich gebessert, als sein mittlerweile verstorbener Vater den Guttemplern beigetreten war. Und das habe ihn bewogen, als junger Mann ebenfalls beizutreten, ähnlich, wie seine Mutter, die schon 40 Jahre Mitglied ist.
Beim Empfang zu Beginn des viertägigen Treffens gab es trotz des familiären Charakters gesellschaftspolitische Forderungen. So nach einem Verbot der Alkoholwerbung, weil sie vor allem Kinder und Jugendliche zu früherem Trinken animiere. Zudem nach der 0,0-Promillegrenze im Straßenverkehr. Kritik gab es an der Landesregierung. Obwohl die Guttempler in Nordrhein-Westfalen in kürzester Zeit über tausend Unterschriften zum Verbot von Pauschaltrinken gegen festes Eintrittsgeld (Flatrate-Partys) gesammelt hätten, so Krethe, habe das NRW-Gesundheitsministerium abgewunken, mit dem Argument, die Gesetzeslage reiche völlig aus.
Die Guttempler, in deren bundesweit 500 Selbsthilfegruppen derzeit 10 000 Menschen, auch Nicht-Mitglieder, Hilfe finden, machen mehr als sich nur um Suchtbetroffene und suchtmitbetroffene Angehörige zu kümmern. Sie treten, so heißt es in ihren Schriften, für die Selbstbestimmung der Menschen frei auch von Alkohol und Drogen ein, für Demokratie, friedliche Konfliktlösungen, Entwicklungshilfe und Frieden zwischen den Nationen. Sie waren bereits mehrfach für den Friedensnobelpreis nominiert. Zudem wird Geselligkeit (ohne Alkohol) und Gemeinschaft groß geschrieben, wie bei einem bunten Abend am Samstag im Troisdorfer Bürgerhaus, wo es nach einem Vortrag ein Unterhaltungsprogramm gibt.
Die Guttempler sind in Deutschland der größte nichtkonfessionelle Verband in der Suchtselbsthilfe. 1851 wurde die Organisation in den USA gegründet als International Organization of Good Templars (IOGT). Sie sind heute in 60 Ländern vertreten. Seit ihrem Weltkongress 2006 in Basel wird die Abkürzung IOGT nicht mehr ausgeschrieben. So will man Verbänden in der Welt auch außerhalb christlicher Kulturkreise, wie es offiziell heißt, den Zugang erleichtern, also unter anderem auch in muslimischen Ländern. Als Beispiel dafür wurde in Troisdorf die Türkei genannt.