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„Habe meiner Mutter alles zu verdanken“

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Als Neunjähriger stand Jeremias Schwarzer (39) in der Euskirchener Fußgängerzone und erfreute die Passanten mit seinem Flötenspiel. Der Grund für das Freiluftkonzert war eher banal: Er brauchte Geld für eine Rosenholz-Flöte. „Denn die hat einen ganz anderen Klang als meine alte“, war die knappe Begründung.

Dass aus Jeremias Schwarzer einmal ein berühmter Flötist werden sollte, der im Mai diesen Jahres sogar in der Mailänder Scala aufgetreten ist, hätte ihm damals wohl kaum jemand zugetraut.

„Aber tatsächlich habe ich das, was ich heute bin, meiner Mutter zu verdanken“, ist sich Jeremias Schwarzer sicher. „Sie hat uns über Jahre hinweg zweimal wöchentlich zur Musikschule nach Brühl gefahren und musste dort immer auf uns warten, bis der Flötenunterricht zu Ende war. Ohne ihr Engagement und ihre Ausdauer wäre ich heute nicht da, wo ich bin.“

Mit vier Jahren begann Jeremias Schwarzer mit dem Flötenspiel, anfangs unterrichtete ihn Mutter Hanne . Damals wohnten die Schwarzers noch in Derkum, zogen aber dann ins ehemalige Lehrerhaus nach Kuchenheim, wo Jeremias Schwarzers Vater die örtliche Hauptschule leitete. Doch so richtig gepackt von der Musik und seinem Musikinstrument, der Blockflöte, wurde Jeremias Schwarzer erst, als er zum Unterricht auf die Musikschule Brühl wechselte.

Hier nahm ihn Hildegard Zavelberg , die stellvertretende Leiterin der Musikschule, unter die Fittiche. „Sie bot uns immer wieder ganz tolle Workshops an“, erinnert er sich. Und dabei hätten sie viel von Professoren lernen können. Noch heute ist die Begeisterung aus seiner Stimme zu hören, wenn er an diese Jahre zurückdenkt.

Weil Schwarzer aber auch immer mal wieder im Ensemble Flöte spielen wollte, schloss er sich ab und zu dem Flötenkreis St. Matthias in Euskirchen an, der jahrzehntelang von Gertrud Rogmans , einer Schwester von Hildegard Zavelberg, geleitet wurde. „Natürlich erinnere mich an Jeremias“, erklärt Getrud Rogmans. „Der war schon damals richtig gut. Aber bei den Blockflöten-Spielern gibt es nur gute oder schlechte. Die, die dazwischen liegen, hören in der Regel nach ein paar Jahren wieder auf.“

Von 1988 bis 1994 ging Jeremias Schwarzer zum Studium nach Frankfurt und Zürich. Warum gerade dorthin? „Das Musikstudium ist sehr kompakt“, erklärt Schwarzer. „Wenn man als Student viel Glück hat, begegnen einem zwei oder drei Professoren, die einen in die richtige Richtung bringen. Meine Entscheidung beruhte also nur auf der Auswahl der Professoren.“

Großen Einfluss auf seine spätere Karriere hatte der Frankfurter Professor Rolf Riehm . Dessen enormes Wissen und die Leidenschaft für die Musik haben Schwarzer damals wie heute sehr beeindruckt.

Riehm, der auch über die Mythologie der Musik geforscht hat, habe sich durch sein großes Verständnis für die Studenten ausgezeichnet. Für Schwarzers Blockflötenensemble „Trio Dioritto“ komponierte er ein Stück und rief auch andere Komponisten an, für Schwarzer zu komponieren.

„Bleibt an eurem

Traum dran“

Unterstützt wurde der Kuchenheimer auch von der Kunststiftung Nordrhein-Westfalen. Sie hatte ihn mehrfach zu Konzerten eingeladen, die auch anschließend mit einer Gage versüßt wurden. „Als junger Musiker hätte man sich die Kompositionen nicht leisten können“, so Schwarzer.

Der Flötist fühlt sich sowohl in der Alten wie auch in der Neuen Musik zu Hause. Mittlerweile gibt er regelmäßig Werke in Auftrag und sorgt so in der Neuen Musik für frischen Wind. Mittlerweile kommt Schwarzer auf über 50 Uraufführungen.

Das Ensemble „Vivi Felice“ wurde von ihm mit begründet und widmet sich der Alten Musik, aber durchaus mit einem Blick aus heutiger Sicht. „Wir wissen ja nicht, was sich ein Komponist wie Telemann damals bei der Komposition eines Musikstückes gedacht hat. Wir müssen es also heute aktuell mit Leben füllen.“

Seit einigen Jahren tritt Schwarzer auch mit der japanischen Koto-Meisterin Makiko Goto auf. Die Koto ist eine japanische Zither. „Blockflöte und Koto klingen gut zusammen, wenn sich die Musiker in der Mitte finden.“ Und weiter: „Das muss man immer wieder versuchen und sich aneinander herantasten.“

In der Schweiz bei Thomas Fehr machte er eine intensive Ausbildung in der „Alexander-Technik“. Das ist eine Methode, die dem Körper erlaubt, auf unnatürliche Belastungen des Lebens natürlich zu reagieren. „Ich hatte die gleichen Probleme wie die meisten anderen Blockflötenspieler auch: Die Finger waren fest, ich hatte Verspannungen im Kopf-, Hals- und Rückenbereich. Und beim Vorspielen war ich sehr nervös.“

Mit der Alexander-Technik sei vieles zurückgekommen, was er vom kindlichen Musizieren an Freude und Lebendigkeit gekannt habe. Schwarzer, der mit seiner Frau und dem elfmonatigen Sohn in Berlin lebt, aber an der Musikhochschule Nürnberg unterrichtet, vermittelt den Studenten auch die Alexander-Technik.

Zum Abschluss macht Jeremias Schwarzer, der zwischen zwei Konzerten in Mülheim und Duisburg seine Familie in Kuchenheim besuchte, jungen Musikern Mut.

„Wenn man die Musik nicht nur als Business sieht, ist es für junge Musiker gar nicht so aussichtslos. Ihnen kann ich nur raten: Bleibt an eurem Traum dran.“