Abo

Häuser in der Einflugschneise?

2 min

LOHMAR. Wie kann man nur unter der Einflugschneise der Querwindbahn neue Wohnhäuser bauen?! Das war die Position der Opposition im Stadtrat zum möglichen Neubaugebiet Wahlscheid-Nord. Die Gegenposition vertrat der 1. Beigeordnete Wolfgang Röger. „Da gibt es in Lohmar viel schlimmere Ecken mit starkem Fluglärm“, sagte er unter anderem auf Lohmar-Süd gemünzt, wo man die Flugzeuge der beiden Haupt-Bahnen des Flughafens Köln / Bonn über sich hat.

Das Gelände in Wahlscheid-Nord spielte schon in den 80er Jahren eine Rolle, als mit großen Bürgerprotesten das dort einst geplante Gewerbe- und Mischgebiet gekippt wurde. Das Gelände tauchte aber immer mal wieder in den Vorstellungen der Kommunalpolitiker auf. Seit 1997 steht es im Flächennutzungsplan als Wohnbaufläche. Nachdem in diesem Sommer ein Entwurf zurückgewiesen wurde, liegt nun eine neue Planung mit dem Namen „Große Wiese“ vor. Dabei handelt es sich um die Ackerfläche zwischen Rosaueler Weg, Kuhlfeldweg, Golfplatz und Kreisstraße 49. Laut Entwurf könnten dort 42 Einfamilienhäuser und 76 Doppelhäuser, mithin 194 Wohneinheiten entstehen.

Röger sagte im Stadtrat, dass es nur noch wenige Flächen im Stadtgebiet mit Baulandqualität gebe, fast überall hätte man Probleme mit Beschränkungen entweder wegen Hochwasserschutz oder Fluglärm. Becker verwies darauf, dass die Lohmarer stets andere Kommunen wegen Ausweisungen von neuen Wohnhäusern in Fluglärmgebieten kritisieren. Mit Wahlscheid-Nord würde Lohmar seine „weiße Weste“ verlieren, sagte er. Auch Erhard Fischer (UWG) fragte, wie man künftig gegen den Flughafen argumentieren solle, wenn die Stadt dort einen Bebaungsplan aufstelle.

Becker nannte als weiteres Problem, dass bei 190 Wohneinheiten für meist junge neuzuziehende Familien bis zu 300 Kinder zu erwarten seien. Dafür gebe es zu wenig Platz in den ohnehin vollen Kindergärten und in der Grundschule. Guido Koch (CDU) hielt dagegen den neu vorgelegten Plan für einen guten Kompromiss. Weil die Stadt die Hälfte der Fläche besitze, könne man auch das Tempo der Bebauung bestimmen. In namentlicher Abstimmung votierten CDU und SPD für, Grüne und UWG gegen die Einleitung des Bebauungsplanverfahrens, das mit der frühzeitigen Bürgerbeteiligung beginnt.