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HebammenteamEntspannter an die Geburt herangehen

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Lena Johnson betrachtet ihren Bruder Noah. (Foto: Roberz)

Flamersheim – „Wir betreuen zurzeit sechs Schwangere, die Weihnachten ihr Kind bekommen könnten. Denn die ausgerechneten Geburtstermine liegen kurz vor beziehungsweise nach den Feiertagen“, sagt Simone Bungenberg-Decker vom Hebammenteam „Neues Leben“ aus Flamersheim. Deshalb haben sie und ihre 25-jährige Kollegin Daniela Kohlheyer ihre Ehemänner über Weihnachten und Neujahr alleine in den Winterurlaub geschickt.

„Die beiden wollten endlich wieder Skifahren. Aber weil wir so viele Schwangere haben, die in dieser Zeit gebären werden, haben wir unsere Männer quasi dazu gedrängt, alleine zu fahren“, erklärt die Hebamme schmunzelnd.

Simone Bungenberg-Decker hat vor genau 18 Stunden den kleinen Noah Johnson in Empfang genommen. Jetzt liegt der Junge zufrieden schlafend auf dem Bett von Mutter Melanie, gut bewacht von seiner großen Schwester Lena, die sich an dem zarten Baby nicht satt sehen kann.

Wie üblich kommt Simone Bungenberg-Decker einen Tag nach der Geburt zur frisch gebackenen Mutter ins Krankenhaus, um sich nach dem Befinden von Mutter und Kind zu erkundigen. Simone Bungenberg-Decker und Daniela Kohlheyer sind Beleghebammen im Euskirchener Marien-Hospital.

Mit zu dem dreiköpfigen Hebammenteam „Neues Leben“ gehört Dorothée Kelz . Sie ist als Hebamme im Marien-Hospital angestellt, momentan in Elternzeit und hat in der Praxisgemeinschaft Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse übernommen.

Viel entspanntere Geburt

Die Praxisgemeinschaft betreut pro Jahr etwa 100 Schwangere, davon begleiten sie 50 bis 60 Frauen zur Geburt. „Als Beleghebammen machen wir keine Hausgeburten, es sei denn, ungeplant“, erklärt Daniela Kohlheyer. Doch da die Hebammen die Schwangeren in der Regel mindestens die letzten 20 Wochen vor der Geburt intensiv betreuen, wissen sie in der Regel genau, wann es für die Frauen Zeit ist, ins Krankenhaus zu gehen.

Melanie Johnson ist froh, sich bei ihrem zweiten Kind für die Begleitung durch die Beleghebammen entschieden zu haben.

„Beim ersten Kind habe ich viele Hebammenwechsel hier im Krankenhaus mitbekommen. Durch das intensive Kennenlernen während der Schwangerschaft bin ich viel entspannter an die Geburt herangegangen. Ich war einfach beruhigter“, sagt die junge Mutter.

Und Christian Johnson , stolzer Vater des kleinen Noah, ergänzt: „Als meine Frau vor einigen Tagen dachte, es gehe mit der Geburt los, haben wir Simone nachts angerufen und die ist sofort gekommen und hat uns beruhigt, dass es noch nicht so weit sei. Ohne die begleitende Hebamme in Rufbereitschaft wären wir ins Krankenhaus gefahren.“ Auch die 36-jährige Nicole Esper aus Palmersheim fühlt sich rundum gut aufgehoben im Hebammenteam „Neues Leben“ und bringt den Frauen süße „Nervennahrung“ mit.

Der Geburtstermin von Tochter Lilly steht in einigen Tagen an. Sie kommt zur regelmäßigen Vorsorge in die Praxis. In der Spätschwangerschaft macht ihr ein zu hoher Blutdruck zu schaffen.

„Eine Woche musste ich ins Marien-Hospital, wurde dort auf ein Medikament eingestellt. In diesen Tagen habe ich so einige Hebammen dort kennengelernt und ich könnte mir durchaus vorstellen, die ein oder andere bei der Geburt an meiner Seite zu haben. Bei anderen allerdings könnte ich mir das überhaupt nicht vorstellen. Meine Entscheidung für die Beleghebammen war also genau richtig“, stellt Nicole Esper fest.

Daniela Kohlheyer misst Nicole Esper den Blutdruck, legt sie an das CTG, um zu sehen, ob die Herztöne des Babys in Ordnung sind. Jetzt hat die Hebamme Zeit für die Akupunktur und setzt an Zehen und Beinen die chinesischen Nadeln.

„Damit erreichen wir in dieser Schwangerschaftsphase, wenn die Geburt kurz bevor steht, dass das Gewebe, vor allem der Muttermund, weicher wird und damit auf die Geburt vorbereitet werden kann“, erklärt die Hebamme.

Daniela Kohlheyer ist mit Nicole Esper und ihrem Ungeborenen sehr zufrieden und trägt die Daten in ihren Berichtsbogen ein. Jetzt geht es zum Hausbesuch nach Kirchheim. Der neun Tage alte Florian schreit und greint schon den ganzen Tag. Mama Yvonne ist sichtlich genervt. Doch Daniela Kohlheyer beruhigt die junge Mutter.

Anspannung oft auf beiden Seiten groß

„Zwischen dem achten und zehnten Tag haben die Babys einen Wachstumsschub, dann sind sie unleidlich, mit nichts zufrieden, wollen viel trinken.“ „Und wie lange dauert das“, fragt die leidgeprüfte Mutter skeptisch. Daniela Kohlheyer lacht. „In der Regel ist das nach einem Tag wieder vorbei“, beruhigt sie. Hebamme, da sind sich Simone Bungenberg-Decker und Daniela Kohlheyer einig, ist ein wunderschöner Beruf: Die schwangeren Frauen zu begleiten, sie bei der Geburt zu unterstützen und schließlich immer wieder von neuem dieses Wunder hautnah erleben, wenn ein Baby das Licht der Welt erblickt.

Gerade wenn Verwandte oder Freunde der Hebammen bei Schwangerschaft und Geburt betreut werden, ist die Anspannung für die beiden Frauen besonders groß. „Aber natürlich auch die Freude, wenn alles gut gegangen ist. Das ist grundsätzlich immer ein besonderer, bewegender Moment. Aber bei Freunden und Verwandten noch mehr“, sagt Simone Bungenberg-Decker.

Sie ist übrigens selbst mit dem zweiten Kind schwanger. Und wer wird ihr bei der Geburt als Hebamme zur Seite stehen? „Natürlich Daniela“, sagt die 30-Jährige lächelnd.

Denn die drei Frauen sind schon lange nicht nur Kolleginnen, sondern auch gute Freundinnen.