KREIS EUSKIRCHEN. Mit dem kommenden Jahreswechsel brechen für das Eier legende Federvieh in Deutschland bessere Zeiten an: Enge Käfigeinzelhaltung ist strikt verboten, Legehennen tummeln sich in kleinen oder größeren Gruppe in weitläufigen Gehegen und können ihrem angeborenen Drang, in der Erde zu scharren, nachgehen. Im Kreis Euskirchen haben die Eierproduzenten ihre Betriebe bereits kostenintensiv umgestellt. Doch höhere Preise lassen sich auf dem Markt nicht durchsetzen. Denn in den europäischen Nachbarländern können noch bis Anfang 2012 Legebatterien betrieben werden. Nur zehn bis zehneinhalb Cent bekommt der Produzent vom Handel, sagt ein Erzeuger im Kreis.
Landwirt Karl-Heinz Wershoven aus Kuchenheim nennt 7500 Legehennen sein eigen und hat bereits 2007 seinen Betrieb umstrukturiert. Er hat nach der Ankündigung der damaligen Verbraucherministerin Renate Kühnast, die Haltungsbedingungen für Legehennen tiergerechter zu gestalten, auf Bodenhaltung umgestellt.
Dazu hat Wershoven nach eigener Aussage rund 350 000 Euro investiert und einen Bullenstall in der Kuchenheimer Feldflur umbauen lassen. Auf gut 700 Quadratmetern tummeln sich nun in vier Gruppen 7500 Legehennen. Die sind nach Altersunterschied getrennt, denn jedes Vierteljahr tauscht Wershoven ein Viertel der Legehennen aus und ersetzt sie durch 18 Wochen alte Junghennen.
Bodenhaltung heißt nicht, dass die Tiere nach Herzenslust und quietschvergnügt im Garten oder auf dem Feld umhertollen könnten. Das wäre Freilandhaltung, doch die kann er seinen Hühnern nicht gewähren, sagt Wershoven. Da müsste ich viel zu aufwändig Zäune und Riesengehege bauen, müsste die Tiere gegen Füchse, Wiesel und Marder schützen. Das geht gar nicht und rechnet sich auch nicht.
Futter und Wasser werden vollautomatisch zugeführt, fressen und trinken können die Hühner an den Futterautomaten wann sie wollen. Meine Hühner bekommen ein Mischfutter aus Mais, Soja, Weizen und ein wenig Sojaöl, damit das Futter nicht staubt. Das ist fürs Stallklima wichtig.
In Holzregalen mit Gummivorgängen, die die Legehennen als Nester akzeptieren, legen die Tiere ihre Eier ab. Die kullern sofort einige Zentimeter tiefer auf ein Band und werden auf Knopfdruck in die Sortier- und Packhalle transportiert.
Doch bleiben wir bei den Hühnern. Die haben neben den Regalen mit Nestern und Schlafplätzen sowie automatischen Kotförderbändern auch eine Bodenfläche, auf der sie in einer Lage aus Sand und Sägespänen sowie Hackschnitzeln scharren können.
40 000 bis 45 000 Eier erzeugen die Legehennen jede Woche. Und Karl-Heinz Wershoven und seine Frau Celine vermarkten die Produktion selbst. Etwa 25 Prozent werden auf dem Wochenmarkt und bei Eiertouren in der Region abgesetzt. Die große Masse liefern die Wershovens an das Euskirchener Krankenhaus und die angeschlossenen Altenheime und Weiterverkäufer. Das Ehepaar bedient sich in Sachen Vermarktung zudem einer Besonderheit: Der Eierverkaufsautomat an der Kuchenheimer Straße wird rege frequentiert und vermarktet am Tag rund 300 Eier. In der Bevölkerung genießt der mittlerweile 35 Jahre alte Automat einen legendären Ruf.
Maria und Willi Frisch in Dom-Esch haben bis zu 3000 Legehennen, die in Bodenhaltung leben. An den Stall angebaut ist ein durch ein Netzgeflecht gesicherter Wintergarten, in dem die Tiere nach Herzenslust scharren können. Willi Frisch ist ganz offen, was die Umstellung weg von der Käfighaltung anbelangt, und denkt da wie viele seiner Kollegen: Käfighaltung ist die sauberste Art, Eier zu erzeugen, weil die Eier sofort auf ein Band kullern und nicht mehr mit dem Huhn oder dem Kot in Berührung kommen. Jetzt sei der Aufwand höher und man müsse schärfer rechnen. Aber höhere Preise ließen sich auf dem Markt nicht durchsetzen.