EUSKIRCHEN – „Ja, es stimmt.“ Mit diesen Worten bestätigte gestern Paula Bonekamp die in Euskirchen kursierende Nachricht vom Tod ihres Lebensgefährten Dr. Reinhard Jansen.
Am Montag sei Jansen in Stiege (Sachsen-Anhalt) im Alter von 60 Jahren einem plötzlichen Herzversagen erlegen, erklärte Bonekamp. Der Mediziner hinterlässt neben seiner Lebensgefährtin vier Kinder. Viele Jahre lang hatte Jansen in der Euskirchener Behringstraße eine Praxis betrieben, bis ihm 1997 im Zusammenhang mit dem so genannten Diätpillen-Skandal, der bundesweit für Schlagzeilen sorgte, die Approbation entzogen wurde.
Erst 2003 hatte er die vollständige Zulassung wieder erhalten. Drei Monate lang saß der Mediziner damals in Untersuchungshaft. Vom Kölner Landgericht wurde er 1997 schließlich zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er Tausende von gefährlichen Diätpillen verschrieben hatte, die Mit-Angeklagte vertrieben hatten. Später erklärte Jansen, er sei „blauäugig“ gewesen.
Das Urteil habe er akzeptiert, so der Mediziner 2003 in einem Gespräch mit der Rundschau: „Viel schlimmer waren die beruflichen Beschränkungen.“ So war es wohl auch der Wille zu einem Neuanfang, der ihn 2005 nach Stiege - laut Bonekamp einem ländlichen Bereich ähnlich des Kreises Euskirchen - zog. „Wir haben uns hier sehr wohl gefühlt“, sagte seine Lebensgefährtin gestern. Jansen habe dort eine Praxis mit zwei Zweigstellen betrieben. Was aus diesen nun werde, sei noch unklar. Es werde wohl schwierig, Nachfolger zu finden.