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Hilde DominDas Wunder angelockt

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Die Kölner Schriftstellerin Hilde Domin. (Bild: dpa)

Köln, Riehler Straße 23 - eine kleine Gedenktafel weist darauf hin, dass hier vor hundert Jahren, am 27. Juli 1909, die Dichterin Hilde Löwenstein, die sich später Hilde Domin nennen sollte, geboren wurde. Aufgewachsen in einem jüdischen Elternhaus studierte die junge Frau Jura, Philosophie und politische Wissenschaften in Heidelberg, Köln und Berlin.

Bereits als 22-Jährige verließ Hilde Domin wegen ihrer jüdischen Herkunft und vielfachen sozialistischem Engagements Deutschland. Damit begann eine Odyssee durch viele Sprachen und über Italien, England und bis in die Dominikanische Republik; ein Weg, der durch Verfolgung und Vertreibung, durch Exil und Rückkehr geprägt war. Erst einmal aber: In Italien wurde Hilde Domin promoviert, heiratete den Kunsthistoriker Erwin Walter Palm. Sie gab Sprachunterricht und wurde zur Sekretärin und Assistentin ihres Mannes, dessen Werke sie übersetzte.

Es war - wie die kürzlich veröffentlichten Briefe verraten - eine problematische, konfliktreiche Beziehung, die jedoch über die Jahre hinweg Bestand hatte. „Nicht müde werden&“, hieß es in einem Gedicht, „& sondern dem Wunder / leise / wie einem Vogel / die Hand hinhalten.“. Das „Wunder“ geschah: Sie wurde zur Dichterin. Auslöser waren der Tod ihrer Mutter und nicht zuletzt auch die Rückkehr 1954 nach Deutschland, die Rückkehr in die Muttersprache. Das zweite Leben der Hilde Domin wurde ein Dichterleben par excellence. Bereits mit dem ersten Gedichtband „Nur eine Rose als Stütze“ (1959) hatte sie Erfolg. Sie „setzte den Fuß in die Luft, / und sie trug“.

Bald gehörte sie in die Reihe einer Nelly Sachs, einer Rose Ausländer, eines Paul Celan - deutsche Dichter jüdischer Herkunft, wie die Domin charakterisiert werden wollte. Ihre Jüdischkeit war für sie eine Schicksalsgemeinschaft. „Ich habe sie nicht gewählt &, ich bin hineingestoßen worden.“

„Ein Gedicht gehört den Lesern“

Ein Gedichtband nach dem anderen erschien. „Ich bin nicht mehr zum Alleinsein gemacht“, hat sie einmal gesagt. Und das bezog sich nicht nur auf ihren Mann, sondern später vor allem auf ihre Leser. Ihre Gedichte - „ein Gedicht gehört nicht dem Autor, sondern den Lesern“ - sind dem Leben und den Menschen zugewandt. Ihre Themen: Heimat, Liebe, Tod - denn „Das Wort / der Blick / ändern / erschaffen die Wirklichkeit. / den Traum der Wirklichkeit&.“.

Ihre Gedichte sind Widerspruch und Widerstand, sind eine Form der Rebellion. Sie haben wunderbare Bilder und eine große suggestive Kraft, sie fordern Mut und geben Hoffnung. Für Hilde Domin selbst war das Schreiben - auch ihres autobiografischen Romans „Das zweite Paradies“ - eine Art Befreiung. Zielstrebig und oft eigensinnig ging sie ihren Weg - als Mahnerin und Trösterin. Ihr Traum von einer ihr angemessenen Wirklichkeit erfüllte sich in Heidelberg. Von hier aus reiste sie, organisierte sie ihre Lesungen; hier schrieb sie - Gedichte, Prosa und Briefe (sie war eine außergewöhnliche Briefstellerin). Die Stadt war ihr gut - anders als Köln, das sie erst einmal ignorierte. 21 Mal wurde sie preisgekrönt, in 22 Sprachen übersetzt. Am 22. Februar 2006 starb die Dichterin mit 96 Jahren in Heidelberg.

Am kommenden Montag enthüllt Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma ein erweitertes Straßenschild im Hilde-Domin-Park, Eingang Hülchrather Straße / Neusser Straße. Außerdem findet am Abend (19 Uhr) eine Feierstunde im Historischen Rathaus statt. Hilde Domin ist auch wieder in Köln angekommen, der Stadt, der sie das Gedicht „Köln (die versunkene Stadt)“ gewidmet hat: „& Die alten Häuser / haben neue große Türen / aus Glas. / Die Toten und ich / wir schwimmen /durch die neuen Türen / in unsere alten Häuser“. Im Gedächtnis der literarischen Welt ist sie schon lange angekommen. Dauerhaft.

Neuerscheinungen:Hilde Domin: Sämtliche Gedichte. S. Fischer Verlag, 352 S., 16 Euro; Hilde Domin: Die Liebe im Exil - Briefe an Erwin Walter Palm aus den Jahren 1931-1959. S. Fischer, 384 S., 19,90 Euro; Ilka Scheidgen: Hilde Domin - Dichterin des Dennoch. Biografie. Verlag Ernst Kaufmann, 248 S., 19,95 Euro; Marion Tauschwitz: Dass ich sein kann, wie ich bin - Hilde Domin. Die Biografie. Palmyra Verlag, 576 S., 29,80 Euro.