Die gute Nachricht gleich vorweg: Raghava wird es auch weiterhin geben. Jene seit mehr als einem Jahrhundert bekannte, geheimnisumwitterte Spezialität der Apotheke von Eugen Funck in Remagen wird weiterhin gebraut - auch wenn die Apotheke selbst geschlossen ist. Es gibt Menschen, die behaupten, er schmecke abscheulich, es gibt Menschen, die gehen abends aus, nur um ihn zu trinken - und es gibt Menschen, die schwören auf ihn als reine Medizin: den Raghava. Wie auch immer, eins ist sicher: Es gibt den aus erlesenen Kräutern hergestellten Bitterbranntwein nur in Remagen.
1885 in Köln
vorgestellt
1885 wurde der Trunk auf einer Kölner Ausstellung vorgestellt. In Flaschen gibt es ihn in Remagens Traditionsapotheke von Eugen Funck, in den Gaststätten überall im Glase. Der Muck, wie Eugen Funck von seinen Freunden liebevoll genannt wird, hat sich jetzt mit 68 Jahren offiziell zur Ruhe gesetzt und seine Oberwinterer Apotheke an Apothekerin Bettina Schütte , geborene Stockhausen, übergeben. In der Apotheke in Remagen, die sein Großvater gegründet hat, ging Eugen Funck von 1965 bis 2002 seiner Arbeit nach. Dann übergab er die Apotheke einer Nachfolgerin und arbeitete in seiner Rhein-Apotheke in Oberwinter. Jetzt hat die Apollinaris-Apotheke in Remagen die Tore geschlossen. Soweit die schlechte Nachricht; nun die gute: Raghava gibt es weiter. Eugen Funck wird weiter in seiner Giftküche in Remagen brauen. Nach dem Rezept von Vater Eugen Funck , einem Allround-Talent, das auch als Begründer des Remagener Heimatmuseums gilt. Am 10. Juni 1905 hat Funk das Scherbelehäuschen eröffnet. Bis 1935, seinem Todesjahr, war er dessen Leiter. Es war das anerkannt schönste Heimatmuseum im Kreis Koblenz.
Ein strenges Geheimnis des Apothekers in dritter Generation ist allerdings die Mixtur. Dass die Essenz irgendwie aus Nelken, Zimt, Galgant, Enzian, Chinawurzel und Pommeranzen besteht, daraus macht Eugen Funck kein Geheimnis. Auch nicht daraus, dass sie so um die 43 Prozent hat. Zuckersirup gibt dem alkoholischen Getränk, das nach dem Essen so richtig den Magen aufräumt, seine goldgelbe Farbe.
Eugen Funck wollte die Brennerei schon einmal einschlafen lassen, doch die Proteste der gestandenen Remagener waren zu groß, er kochte weiter. Mit den etwa 200 Flaschen im Jahr lässt sich zwar nicht das ganz große Geld machen, doch der Spaß ist Eugen Funck die Arbeit wert. In seiner Zeit in München, so in den 60er Jahren, da gab es den Raghava auch in Schwabing, als Aufräumer, wenn die Studenten das Lokal nicht verlassen wollten. Flaschenweise gibt es ihn in der Oberwinterer Rhein-Apotheke. (jup)