In den Feldern zwischen Mechernich-Nord und Kommern-Süd fand die 18-jährige Schülerin des Turmhof-Gymnasiums eine von Sträuchern und Bäumen versteckte Senke.
Ohne lange zu überlegen, marschierte sie über den verwucherten Weg, der sie zu zwei miteinander verbundenen Höhlen - der Filskaul - führte. An den Höhlenwänden entdeckte sie zahlreiche eingeritzte Namen, Daten und unleserliche Zeichen.
Ich begann, mich für die Geschichte der Höhlen zu interessieren, nicht zuletzt, da meine Mutter mir eine abenteuerliche Geschichte erzählte. Dort sollen sich Deserteure während des 2. Weltkrieges versteckt haben.
Schließlich fragte die Schülerin ihren Geschichtslehrer Franz-Josef Hilger, ob sie ihre Facharbeit über die sagenumwobenen Höhlen schreiben könne? Der war von der Idee begeistert und gab grünes Licht.
Die Recherchen gestalteten sich schwierig: Weder im Mechernicher Rathaus noch im Internet fand sie weitere Hinweise. Nächste Anlaufstelle war das Bergwerkmuseum - allerdings war auch dieser Besuch nicht von Erfolg gekrönt.
Dennoch gab Richter nicht auf, im Gegenteil: Sie verfasste Flugblätter, die sie rund um Kommern, Kommern-Süd und der Filskaul aufhängte. Zusätzlich schrieb sie einen Brief an diejenigen, deren Nachnamen in den Höhlenwänden eingraviert sind.
Das Ergebnis: Die 14 Seiten lange Facharbeit - die mit einer Eins benotet wurde - gibt interessante Auskünfte über die vielen wahren Geschichten und wilden Spekulationen rund um die Filskaul.
Besonders spannend sind die Zeitzeugenberichte von Menschen, die am Ende des zweiten Weltkrieges Schutz suchten. Dort versteckten sich tagsüber einige Familien, nachts gingen sie zurück in ihre Häuser, sofern sie nicht zerstört waren. Darunter Vater und Sohn der Familie Simons. Der damals 13-jährige Georg baute am Rande der Höhlen einen Schützengraben. Von dort beobachtete er mit dem Fernglas die Kampfflugzeuge. Für seine Ziege Lissi schlug er eine kleine Kuhle ins Gestein. Neben der Familie Simons suchte auch die Familie Schomer mit ihren sechs Kühen dort Zuflucht. Sohn Josef Schomer verewigte sich gleich zwei Mal an den Felswänden. Schutz vor den Fliegerangriffen suchte auch die Bauernfamilie Hermann, die auch ihre zehn Kühe mitbrachte. Dank der Landwirte, die Vorräte dabei hatten, musste niemand hungern.
Auch der damalige Kaplan Kohr und seine Schwägerin lebten in der Filskaul. Verwunderlicherweise war auch ein Franzose mit von der Partie, er war auf der Durchreise nach Paris und hatte Nichte und Kleinkind dabei.
Die Familien lebten auch noch in der Filskaul, als Anfang März 1945 die alliierten Truppen Kommern einnahmen. Aus Angst, von den Soldaten erschossen zu werden, habe sich niemand aus der Höhle getraut, erzählt Richter.
Schließlich habe sich der Franzose einen Schirm genommen, ein weißes Tuch an die Spitze gebunden und sei den Soldaten entgegen gegangen. Ungefähr vier Stunden später kamen amerikanische Soldaten. Sie umstellten den Rand der Filskaul mit Maschinengewehren im Anschlag.
Zuletzt lebte 1996 ein Einsiedler mit seinem Hund in der Filskaul. Nachdem Jugendliche seine Einrichtung demoliert hatten, verschwand er. Bis heute ist die Höhle ein beliebter Treff von Jugendlichen.