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Hören ist verzögert

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Mit Renate Sokoll, Fachreferentin des Deutschen Schwerhörigenbund, sprach Angelika Staub über die Herausforderung „Schwerhörigkeit“.

Frage: Genügt es, mit Schwerhörigen einfach lauter zu sprechen?

Sokoll: Nein, überhaupt nicht. Schwerhörigkeit ist etwas anderes als nur leiser Hören. Es bedeutet verzerrtes, verzögertes Hören. Durch lauteres Sprechen oder Anbrüllen ist die Behinderung keineswegs auszugleichen.

Frage: Was sollte man im Gespräch mit Schwerhörigen beachten?

Sokoll: Man muss deutlich sprechen und sich Schwerhörigen beim Reden zuwenden, so dass sie den Mund sehen können. Das klappt nicht im Dunkeln und auch nicht, wenn man hinter dem Betroffenen steht. Zudem sollte Gegenlicht vermieden werden und ein Pulk schwätzender Leute sowieso.

Frage: Wer lange nicht gut gehört hat, ist hörentwöhnt?

Sokoll: Ja, dann sind die Zellen teilweise abgestorben. Hören muss erst wieder erlernt werden.

Frage: Mittels Hörgerät, was offensichtlich auch nicht immer leicht ist?

Sokoll: Das Hören mit einem Hörgerät erfordert manuelle wie geistige Fertigkeiten im Umgang mit der Technik.

Frage: Sie selbst gehören zu den 15 Millionen Bundesbürger mit Hörschwäche. Wie fühlt sich Schwerhörigkeit an?

Sokoll: Schlechtes Hören betrifft nicht nur die Ohren, sondern den ganzen Menschen. Geistig wird man lahmer, seelisch fühlt man sich zwar mittendrin und doch außen vor. Psychosozial ist die Kommunikation gestört.

Frage: Das klingt nach Außenseiterleben.

Sokoll: Viele haben Suizidgedanken, denn Schwerhörigkeit zieht sich durch den ganzen Menschen. Dementsprechend ist Schwerhörigkeit fürchterlich anstrengend - für andere und am meisten für den Betroffenen selbst.