BERGHEIM-NIEDERAUSSEM. Immer nur dem Krach nachgehen, dann kommen sie in den Probenraum, sagt Vater Hubert Pieper und lacht. Aus der Küche grüßt freundlich die Mutter Annette. Die Klänge führen in den Keller, vorbei an Porträts, gemalt in Öl, einer Ahnengalerie der Rockgeschichte: Jagger, Keith Richards und andere.
Immer sonntags hätten die Brüder Pieper gemalt, am liebsten Rockmusiker, erzählt später Thomas Pieper, Schlagzeuger, mit 17 Jahren jüngster Musiker der Band Crossroad und der Bruder von Hubert Pieper, dem Lead-Gitarristen. Als Wunderkinder, mit liebevollem Spott in der Stimme, bezeichnen Sänger Torsten Lüthje, Keyboarder Stefan Hinkelmann und Bassist Bernhard Döntgen die zwei Brüder. Die haben nämlich nach eigenen Schilderungen ihre Vorliebe für Rock 'n' Roll schon in der Wiege entdeckt.
Der Vater ist schuld, der war immer schon ein Stones-Fan, sagt Thomas Pieper. Selbst von den Sitzkissen im Partykeller provoziert das Logo der Stones, die herausgestreckte Zunge.
Die Entdeckung der Brüder vor zwei Jahren ist allerdings ein Glücksfall gewesen, sagt Döntgen. Die spielen richtig gut, schwärmte ein Freund der Band dem damaligen Trio vor. Und dann entdeckten sie ihre gemeinsame Liebe, die Rockmusik.
Ich bin einfach zu spät geboren, trauert Torsten, der gerne als Rockveteran in den Siebzigern gespielt hätte. Jetzt habe er glatt Aerosmith verpasst und Queen und Depeche Mode. Wenigstens Deep Purple hätten sie vor zwei Jahren live gesehen. Damals hätten die Musiker noch etwas zu sagen gehabt.
Überhaupt, heutiges Musikbusiness sei ihnen ein Gräuel, wie Stars und Sternchen aus dem Nichts gemeißelt würden, beliebig austauschbare Menschen zu wenig haltbaren Formationen gekittet, dazu bestimmt, schon bald in Vergessenheit zu geraten. Da sind sich die fünf Freunde einig.
Schau dir nur mal ,Tic, Tac, Toe' an, beim ersten Stress geben die auf, brechen auseinander. Nein, wir machen das anders. Sie grinsen breit bei der Schilderung, dass bisweilen selbst die Freundinnen außen vor stünden.
Dennoch ziert der nackte Bauch eines der Mädchen das Cover ihrer neuen CD, aufgenommen im Oberaußemer Tonstudio Ville 29. Der Bauch zeigt das Markenzeichen der Band, ein Stoppschild gefüllt mit roter Signalfarbe und dem weißen Schriftzug Crossroad. Neun selbst komponierte Titel stellen sie vor, entwickelt in Gemeinschaftsarbeit.
Noch vor zwei Jahren spielten die Gewinner des Local-Heroes-Wettbewerbs zum Weihnachtskonzert der Kulturwerkstatt überwiegend Coversongs vor: Satisfaction, Guantanamera nach Art der Toten Hosen. Übrigens wurde Schlagzeuger Thomas, damals erst 14, vor dem Konzert von einer Kulturwerkstätterin gar gebeten, sofort das Bürgerhaus aus Jugendschutzgründen zu verlassen. Ich spiele doch gleich in der Band mit. - Ach, verarsch mich bloß nicht.
Mit ihrer CD On my own legen die fünf Musiker Zeugnisse ihres jungen Lebens ab, richten sich in trotzigen Texten gegen grassierenden Konformismus, bringen eine Hymne auf den Rock 'n' Roll, spielen einen waschechten Reggae, spüren als Nichtalkoholiker zu einem Fruchtsaft oder einem Milchshake den Mythen des Lebens nach oder trauern in melancholischen Noten um eine verflossene Liebe.
Mit dem Rock machen wir es manchen Altersgenossen nicht einfach. Aber die Schnulze finden viele gut, die sonst nur Hip-Hop hören, sagt Thomas. Das ist eine Ballade, keine Schnulze, verbessert Hinkelmann.
Auch ein Plattenlabel sei bereits auf sie aufmerksam geworden, erzählen die fünf nicht ohne Stolz, man habe sie zum Sushi in ein Kölner Nobelhotel eingeladen, nur wenig später sei die Firma aber pleite gegangen. Einer Profikarriere ist die Band trotzdem nicht abgeneigt. Da würden wir alle mitmachen, meint Thomas. Torsten Lüthje stimmt zu, auch wenn er längst beim Bund eine Ausbildung zum Kommunikationselektroniker macht.