Bei der Familie Beissel von Gymnich steht ein runder Geburtstag ins Haus. Adeline Gräfin Beissel von Gymnich , geborene Reichsgräfin Wolff Metternich zur Gracht , feiert am 27. Dezember ihren 90. Jahrestag - und zwar mit allen Satzveyern. Sie blickt auf ein turbulentes, oft auch recht mühsames Leben zurück.
Während des Nationalsozialismus absolvierte sie in Aachen zeitgleich mit 50 Männern eine landwirtschaftliche Ausbildung. Sie wurde damit bauernfähig und konnte den Hof führen, während ihr Bruder im Krieg war. Da er umkam, ging die Burg Satzvey in ihr Eigentum über.
Im Jahr 1944 heiratete sie den Anfang des letzten Jahres verstorbenen Franz-Joseph Graf Beissel von Gymnich . Aus der Ehe gingen vier Söhne hervor, darunter Franz-Josef Graf Beissel jr. , der heutige Eigentümer der Burg und Veranstalter der überregional bekannten Ritterspiele.
Dessen Vater geriet in englische Kriegsgefangenschaft und verpasste daher die Geburt von Franz-Josef und dessen Zwillingsbruder.
Die vom Großvater der Gräfin seinerzeit umfangreich erweiterte Burg wurde bei einem Bombardement der Amerikaner schwer beschädigt. Sie habe während der Luftangriffe im Keller gehockt und es habe bis nach Zievel gebrannt, erklärt die damalige Hausherrin.
Da sie einige Leute vor den Nazis auf der Burg versteckte, die für sie aussagten, wurde die Familie nach der Einnahme Satzveys von den Alliierten verschont. Nach dem Krieg begann sie mit Hilfe der Satzveyer den langwierigen Wiederaufbau der Burg aus eigenen Mitteln.
Die Gräfin kümmerte sich später um die Landwirtschaft. Die Grafenfamilie hatte noch einen weiteren großen Hof in Bayern.
War es bis vor Kriegsende undenkbar gewesen, dass die Burg Satzvey auch nur teilweise öffentlich genutzt wurde, so beherbergte sie in den Folgejahren ein Kinderheim und ein Altersheim der Caritas. Die 89-Jährige blickt voller Zuversicht in die Zukunft: Meine Großmutter ist 90 geworden, meine Mutter 100. Da habe ich gute Aussichten. Trotz einer Fußverletzung hofft sie, bald wieder ausreiten zu können. Bei all den Erlebnissen stellt sich die Frage, ob man diese nicht in einem Buch festhalten sollte.
Doch dafür habe sie keine Zeit, erklärt Adeline Gräfin Beissel. Ihr sei auch bis vor Kurzem nicht bewusst gewesen, dass sie schon 90 Jahre alt wird. Und zudem hat sie in puncto Schriftstellerin noch ein anderes Problem: Ich könnte von Dingen berichten, aber die glaubt mir keiner.
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