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„Ich muss die Angst unterdrücken“

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Jessicas Augen gehen hin und her. Die 38-jährige Prostituierte schaut genau, wer auf dem kleinen Parkplatz am Rande der Brühler Landstraße vorfährt. „Wenn ein Kastenwagen vorbeifährt, zucke ich zusammen. Aber vielleicht bin ich auch schon bekloppt. Ich sehe mittlerweile nur noch kleine grüne Kastenwagen.“ Auf dem Straßenstrich hat sich seit Wochen herumgesprochen, dass ein unbekannter Sextäter unterwegs ist, der den beschriebenen Wagen fährt. Gefasst ist er noch nicht.

Besonders die Nachricht, dass schon wieder eine Kollegin ins Auto gelockt und von einem Freier gequält und lebensgefährlich verletzt wurde, schockt die Prostituierten. „Ich muss die Angst unterdrücken. Sonst kann ich den Job nicht mehr machen“, sagt Jessica. Obwohl die Staatsanwaltschaft noch keine Beweise hat, dass ein Serientäter unterwegs ist, sind die Prostituierten vorsichtig geworden. „Ich schaue mir die Männer genau an, bevor ich ins Auto steige.“ Den mit einem Phantombild gesuchten Vergewaltiger im Kastenwagen hat Jessica vor zwei Wochen „ganz sicher“ gesehen. Sie berichtete, dass er allerdings mit einem Opel-Kadett mit Bergheimer oder Bonner Kennzeichen auf dem Parkplatz hielt. „Er war sympathisch, aber auch sehr bestimmend.“ Über die Bezahlung habe er nicht gesprochen; er habe nur deutlich gesagt, was er wollte. Wenn die 38-Jährige über den Gesuchten spricht, klingt fast ein bisschen Sympathie mit. „So ein gut aussehender Mann kommt hier sonst nie vorbei. Er ist ein Manager-Typ, der James Dean ähnlich sieht.“ Jessica berichtete gestern von Erektionsstörungen des gesuchten Freiers: „Er hat 25 Euro bezahlt und wollte nachher fünf Euro zurück. Die habe ich ihm aber nicht gegeben.“

Die auf einem Parkplatz an der A 57 bei Wesel aufgefundene litauische Prostituierte ist außer Lebensgefahr. Gestern Nachmittag wurde sie von den Ermittlern angehört. Am Krankenbett sagte sie, dass ein Lkw-Fahrer sie direkt nach dem Einsteigen bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt habe. Als sie aufgewacht sei, habe sie ein Autobahnschild mit der Aufschrift Düsseldorf gesehen. Auf dem Rastplatz „Dong“ bei Wesel kam es dann zum Geschlechtsverkehr. Als die 25-Jährige aussteigen wollte, habe sie der Täter festgehalten, zum Messer gegriffen und zugestochen. Oberstaatsanwalt Alf Willwacher: „Sie hat auf Knien um ihr Leben gefleht.“ Danach sei der etwa 35 Jahre alte Täter mit dem Lkw weggefahren.

Die Prostituierte beschrieb den Mann als etwa 1,80 Meter groß, mit kurz geschnittenen Haaren, auffallender Körperbehaarung, Oberlippenbart und Narben am Bauch.