PULHEIM. Süß wird der Tag des Denkmals in Brauweiler, denn hausgemachte Maulbeermarmelade wird es geben. Ihr hintergründiger Name: Mathildes Traum. Mehr noch: Die Beeren der Köstlichkeit stammen von einem echten Naturdenkmal, dem tausendjährigen Maulbeerbaum im Abteipark.
Die Geschichte des Baumes ist eng verknüpft mit der Geschichte der Abtei. Ehedem hat Mathilde von Lothringen, ihres Zeichens Tochter Kaiser Ottos II. und Kaiserin Theophanus, hier auf dem Hofgut im Jahr 991 den Pfalzgrafen Ehrenfried, genannt Ezzo, geehelicht. Eines Tages soll sie, so wird erzählt, im Schatten eines Maulbeerbaums ruhend, den Traum gehabt haben, an dieser Stelle in Brauweiler ein Kloster zu gründen.
Dieser sagenumwobene Baum steht also immer noch im Abteipark, durch- und überlebte viele Katastrophen, wächst und gedeiht, trägt vor allem immer noch Früchte, geschichtsträchtige Früchte.
Seit einigen Jahren ist er eingezäunt, da er so manchen Unfug übermütiger Zeitgenossen hatte erdulden müssen.
Vor Jahren produzierte der Landschaftsverband aus den Früchten Hochprozentiges. Der Maulbeerbaumschnaps wurde dann in kleinen Fläschchen in den Museen des LVR zum Kauf angeboten. Nun wurde wohl zum ersten Mal nach tausend Jahren aus seinen Früchten Marmelade hergestellt.
Gut zehn Kilogramm Maulbeeren ernteten in den letzten Wochen Sabine Cornelius vom Presseamt der Landschaftsverbandes und Denis Kretschmar, wissenschaftlicher Volontär in Sachen Kunstgeschichte. Sie kauften Einweckgläser und viel Zucker. Während Sabine Cornelius zu Hause tagelang Früchte kochte, stellte Denis Kretzschmar im häuslichen Entsafter den Rohstoff für das Gelee her.
Am Sonntag, 13. September, werden zum Tag des offenen Denkmals 120 Gläser mit köstlichem Gelee und Marmelade zum Kauf angeboten. Drei Euro wird ein Glas Mathildes Traum kosten. Warum sollen wir die süßen Beeren immer nur den Vögeln überlassen? Die hatten stets lange Freude an der Frucht. Schließlich trägt der Maulbeerbaum von Juli bis September Früchte, so die beiden Marmeladekocher.
Auch heute sieht man wieder dreierlei Farbstufen im Baum. Weiße, hell- und dunkelrote Beern weisen die unterschiedlichen Reifegrade aus. Der Geschmack erinnert übrigens an Brombeeren. Daran kann man sich also gewöhnen.