Abo

Im Boden schlummern viele Schätze

3 min

RHEIN-ERFT-KREIS. Vor knapp zwei Wochen fand eine Sondengängerin in einem privaten Waldstück in Bornheim-Walberberg einen Koffer mit fünf Handfeuerwaffen und einem Kilogramm Sprengstoff. Der wetterfest verschlossene Metallkoffer war gut einen Meter tief im Erdreich vergraben. Doch der Metalldetektor schlug Alarm. Der dubiose Fund beschäftigt die Bonner Kriminalpolizei noch heute.

Auch Oliver Berger (Name geändert) kennt das sirenenähnliche Piepsen. Wenn sein Metalldetektor Alarm schlägt, dann kribbelt es ihm im ganzen Körper. Dann wird das Hobby zur Sucht und zu einem unglaublichen Abenteuer. Mindestens zweimal pro Woche macht sich der 30-Jährige Mann aus dem Rhein-Erft-Kreis deswegen als Hobbyschatzsucher auf die Socken, um mit seiner Sonde Wiesen und Auen zu durchforsten.

Auch im Rhein-Sieg-Kreis stieß er schon auf so manches „Schätzchen“, das im Erdreich jahrelang schlummerte. So spürte er vor ein paar Wochen etwa einen alten Offiziersdolch aus dem Zweiten Weltkrieg auf, den er auf einem Acker bei Heimerzheim aus der Erde buddelte.

Seinen richtigen Namen will der 30-Jährige Mann aber nicht verraten. „Als Sondengänger steckt man mit einem Bein immer in einer Grauzone“, erklärt er. „Denn streng genommen, müsste ich mich vor jedem Sondengang bei der Denkmalbehörde und bei den Besitzern, über dessen Grund und Boden ich wandere, absichern, indem ich mir eine Genehmigung einhole.“ Das allerdings ist in den seltensten Fällen auch umsetzbar.

Tabu sei die Suche in Wäldern und an historischen Stätten. „Das steht nicht im Gesetz, ist aber unter den rund 10 000 in Deutschland vermuteten Sondengängern allgemein bekannt“, sagt Oliver Berger.

Natürlich gebe es auch unter den Schatzsuchern „schwarze Schafe“, die ihre Suche speziell auf „Sperrzonen“ beschränken. „Wer regelmäßig bei ebay surft, der stößt mitunter auf Kilogramm schwere Säcke römischer, nicht lizenzierter Münzen, die dort verhökert werden“, erzählt er. Doch zu den so genannten „schwarzen Schafen“ unter den Sondengängern möchte er nicht zählen.

Um sich keinen Ärger einzuheimsen, meldet er seine Funde stets der Denkmalbehörde. Vor knapp zwei Jahren fand er eine Halskette mit einem Löwenkopf aus Bronze aus der Römerzeit. „Die habe ich selbstverständlich sofort abgegeben“, versichert er nachdrücklich. Nicht selten spürt er auch Bleikugeln auf - von Vorderladern, die aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen und noch zu Hunderten auf den Feldern im Rheinland zu finden sind.

Alle neuzeitlichen Funde darf er inzwischen behalten. Streng genommen gilt allerdings in Nordrhein-Westfalen, dass jeder Fund nur zur Hälfte dem Finder gehört. „Die andere Hälfte gehört dem Land oder dem Besitzer des Grundstückes, auf dem man die Rarität ausgräbt“, weiß er. Doch nur bei wirklich wertvollen Gegenständen melden die Besitzer oder das Land ihre Rechte an.

Die häufigsten Funde seien sowieso völlig unspektakulär. Munition aus dem zweiten Weltkrieg etwa wie beispielsweise Flagsplitter hat er bei seinen Exkursionen schon massenhaft zutage geschaufelt. „Und hier und da findet man auch einmal eine alte Silbermünze“, lacht er und zeigt seine Schätze: Silberlinge aus dem 18. und 19. Jahrhundert sind dabei.

Zweimal musste er auch schon die Polizei benachrichtigen, als er in Erftstadt erst auf Gewehrgranaten und wenig später auf Leuchtspurmunition aus dem zweiten Weltkrieg stieß.

Die Leidenschaft, nach dem zu forschen, was unter der Erde liegt, hatte der heute 30-Jährige schon vor mehr als 20 Jahren. Damals streifte er mit seinem Opa durch die Eifel. In der Hand hielt er da eine Handwerkersonde, die es in jedem Baumarkt zu kaufen gibt.

Elektriker benutzen diese Art von Metalldetektoren, um in den Hauswänden Stromleitungen zu finden. Seit sechs Jahren allerdings hat er ein richtiges Profigerät, das er im Internet für annähernd 1000 Euro gekauft hat.