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Im Dom ist eben alles anders

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Am 1. Weihnachtsfeiertag kommt auf den Sprecher der Dommessdiener alle Jahre wieder eine besondere Aufgabe zu: Er überreicht am 25. Dezember im Namen seiner Mitstreiter ein Geschenk an „Geburtstagskind“ Kardinal Joachim Meisner. Mal waren es Blumen, mal etwa Köln-Ansichtskarten (ein Sammelgebiet von Kardinal Meisner). Dieses Jahr wird Messdienersprecher Wolfgang Küpper (20) ein ganz besonderes Präsent dabei haben - was es ist, wird hier natürlich nicht verraten -, in das Wolfgangs Stellvertreter Till Billecke (17) eine Menge Zeit, Arbeit und Gehirnschmalz investiert hat.

Der fast alltägliche Umgang mit dem Kölner Erzbischof gehört zu den Besonderheiten, die den Messdienerdienst am Dom von dem in den „normalen“ Pfarrkirchen deutlich unterscheidet. Am Dom ist eben vieles anders. Allein die Vielzahl von heiligen Messen zeigt die besondere Stellung der Bischofskirche, ebenso die festliche Gestaltung der Liturgie, sagt Till, darunter der von Meisner geschätzte reichliche Einsatz von Weihrauch oder die schöne Musik. Die vielen Gottesdienstbesucher oder häufiger Besuch von Prominenz gehören auch dazu.

„Die Liturgie entfaltet sich auch über die Messdienerschar“, sagt Domdiakon Reimund Witte; bei einem Hochamt sind leicht zehn oder 15 Ministranten im Einsatz. Dabei herrscht am Dom akuter Mangel an Messdienern. 30 Jungen und junge Männer sind es derzeit insgesamt. „Es könnten gern mehr sein“, sagt Domdiakon Witte (Telefon 92 58 47-40, Internet www.dom-minis.de ) und setzt auch auf die Wirkung der Mundpropaganda.

Die Jüngsten sind um die zehn Jahre, die meisten hören mit etwa 20 auf und wechseln in die Gruppe der Lektoren oder Kommunionhelfer: „Es sollen ja keine Berufsjugendlichen werden“, sagt Witte. Regelmäßig besprechen er und die Messdienersprecher mit der Mannschaft den Ablauf der Liturgie, der im Dom sehr variantenreich ist: Die Messe wird zelebriert am Vierungsaltar oder am alten Hochaltar, in der Sakramentskapelle, der Marienkapelle oder auch in der Krypta. Die Jüngsten werden anfangs für die einfacheren „Dienste“ eingeteilt, etwa zum Tragen der Flambeaus; auch das unfallfreie Treppensteigen im Talar oder der Umgang mit dem Weihrauchfass muss geübt werden.

Wolfgang und Till haben zur Kathedrale als Gebäude einen besonderen Zugang: Wolfgang begann nach dem Abitur eine Steinmetzlehre in der Dombauhütte, und der Vater von Gymnasiast Till ist der stellvertretende Dombaumeister Bernd Billecke; der 17-jährige Till jobbt auch in der Dombauverwaltung. „Den Messdienern ist aber auch bewusst, dass der Dom vor allem eines ist: ein Gotteshaus“, betont Reimund Witte. Dabei wissen die Messdiener, dass selbst hoch oben im Dom, an Stellen, die normalerweise kein Mensch sieht, alle bildhauerischen Details akribisch ausgearbeitet worden sind - innen und außen, denn: „Gott sieht alles.“ Und zu seiner Ehre ist der Dom schließlich erbaut.

Schon in einer ganz normalen Woche kommen die Messdiener am Dom leicht auf drei bis fünf Dienste, in der Weihnachtszeit sind es noch mehr. Das kann anstrengend sein. Etwa wenn Kardinal Meisner nach einer Messe sich gern schon mal eine halbe Stunde damit beschäftigt, nach dem Auszug aus dem Dom mit den Gläubigen zu sprechen und Hände zu schütteln. Derweil trägt ein Ministrant das silbergetriebene Kardinalskreuz, „und das ist im Winter mordskalt“, weiß Wolfgang Küpper. Richtig schwer ist das Kapitelskreuz, „da muss man vorher schon ein paar Schinkenbrote gegessen haben“, lächelt Witte. Ansonsten stellt er aber fest: „Unsere Messdiener sind keine Heiligen, sondern ganz normale Jugendliche.“

Eine, wenn auch recht nebensächliche, Aufgabe erfüllt Wolfgang an Weihnachten (und Ostern) ganz besonders gern. Wenn die festliche heilige Messe zu Ende ist, führt der 20-Jährige seine jungen Kollegen hinauf zum Triforium. Und dort, in luftiger Höhe, pusten die Jungmessdiener dann mit Begeisterung die 100 großen Kerzen aus.