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Im Märchenreich hoch über der Sieg

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Wo das Tal der Sieg so eng ist, dass die Höhen von Westerwald und Bergischem Land teils in steilen Felswänden zum Fluss abfallen, dort liegt Herchen. Ein Ort, der in seiner mehr als 875-jährigen Geschichte nicht nur Künstler des „Düsseldorfer Malkastens“ oder den Komponisten Engelbert Humperdinck inspirierte, sondern der auch bereits im Mittelalter bis nach England bekannt war.

Seit 1985 ist Herchen staatlich anerkannter Erholungsort in einer überaus abwechslungsreichen Landschaft, durch die unsere heutige Tour führt - mal links der Sieg, mal rechts davon, bald über Uferwege und bald auf aussichtsreichen Höhenpfaden.

Für den wirtschaftlichen Aufschwung und Ruhm Herchens im Mittelalter sorgte übrigens ein misslungener Aufstand in Köln. Denn als die Kölner Weber 1371 nach erfolglosem Aufbegehren aus der Domstadt ins Siegtal flohen, fanden sie in Herchen Zuflucht. Ihre bald als „Herchinger Tuche“ bekannten Waren gelangten über das Windecker Garnhaus in Köln bis an den Königshof in London.

Aus dem 12. Jahrhundert stammen Westturm und Mittelschiff der dreischiffigen Basilika St. Peter, die wir nach einigen Treppenstufen passieren. Ab dem 17. Jahrhundert wurde das Gotteshaus als Simultankirche sowohl von der katholischen als auch von der evangelischen Gemeinde genutzt, bis letztere 1876 ihre eigene Kirche weiter unten im Ort errichtete.

Die Mitte des 19. Jahrhunderts durchs Siegtal gebaute Eisenbahnlinie und der aufkommende Tourismus führten auch zahlreiche Erholungssuchende nach Herchen, darunter den in Siegburg geborenen Komponisten Engelbert Humperdinck. Besonders war er der Bürgermeistertochter Johanna Alberti verbunden, der er sogar eine Polka widmete. Sie soll ihn auch nach ihrer Hochzeit mit dem Justizrat Lequis noch gern in der schmucken Villa empfangen haben, die wir am Ende der Straße „Am Knippen“ schräg links vor uns sehen.

Über den in nationalsozialistischer Zeit angelegten so genannten „Thingplatz“ geht s hinauf auf den Sieghöhenweg. Der schmale Pfad führt durch Wald, der nicht nur immer wieder reizvolle Ausblicke auf Herchen und Übersehn am anderen Siegufer eröffnet, sondern uns auch leicht glauben lässt, Humperdinck sei hier oben zu seiner Märchenoper „Hänsel und Gretel“ inspiriert worden. Aus der Märchenwaldidylle zurück im Tal, führt uns der Sieguferweg nach Stromberg, das mit viel Fachwerk und einer Einkehr lockt.

Auf der anderen Flussseite geht s zurück nach Übersehn, wo noch einige der früher hier verbreiteten Wohn-Stall-Häuser zu entdecken sind. Von der Siegbrücke aus sehen wir geradeaus am Hang zwei Kanonen. Als Beutegeschütze aus dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870 / 71 standen sie einst auf dem Kölner Heumarkt. Vor der Besetzung des Rheinlands nach dem Ersten Weltkrieg wurden sie nach Herchen in Sicherheit gebracht - und blieben dort.

Wenn unsere Kraft noch reicht, lohnt am Ende der Wanderung eine Tretbootfahrt auf der Sieg, bevor s vorbei an der Antoniuskapelle, die an ein Zisterzienserinnenkloster aus dem 13. Jahrhundert erinnert, zurück zum Ausgangspunkt geht.

Der „Wandertag“ ist auch als Buch erschienen: Band 1 und 2 je 12,95 Euro im Buchhandel (Bachem Verlag)

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