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Im Stall statt auf dem Feld

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WIPPERFÜRTH / LINDLAR. „Gerade im Winter haben wir viel Arbeit mit unseren 150 Kühen, die dann den ganzen Tag im Stall stehen und gefüttert werden müssen“, sagt Manuela Höller auf die Frage, was ein Landwirt im Winter macht, wenn kein Heu geerntet werden kann und nichts auf den Feldern wächst.

Dass ein Bauer keinen Winterschlaf machen kann, wird schnell klar, wenn man sich auf den hiesigen Höfen umhört. Auf dem Schwalbenhof der Höllers in Lindlar kommt zur doppelten Fütterung der Milchkühe die Arbeit im Wald hinzu. Denn zusätzlich zu seinem Hof mit 150 Milchkühen und Maisfeldern besitzt Erwin Höller Waldgebiete, die in Schuss gehalten werden müssen. Dafür findet er dann im Winter Zeit, wenn kein Silo eingefahren werden muss. „Sowohl unsere Heizung als auch das Warmwasser werden mit Holz beheizt. Es macht viel Arbeit, diese großen Mengen Brennmaterial heranzuschaffen“, erklärt Manuela Höller. Um 5.30 Uhr morgens wird aufgestanden, um zu melken und die Kühe zu füttern. Und es ist nicht nur dunkel um diese Zeit, sondern auch noch richtig kalt. Manuela Höller: „Diesen Winter waren es morgens schon mal minus 13 Grad und alle Tränken für die Tiere waren über Nacht zugefroren.“ Der Schnee bringt zusätzliche Arbeit mit sich.

Im Winter werden

mehr Kälber geboren

Auch Birgit und Thomas Börsch aus Oberdierdorf sind die Kälte beim frühen Aufstehen gewöhnt. „Auch wenn es erst später hell wird, stehen wir trotzdem im Winter um 6 Uhr auf, um zu melken“, so Birgit Börsch. Arbeit gibt es genug für die Bauern: sie müssen die Ställe regelmäßig ausgemisten, Futter vorfahren, da die Tiere auch auf diesem Hof im Stall sind. Außerdem werden im Winter mehr Kälber geboren. „Zur Zeit haben wir 108 Kälbchen. Das ist schon ziemlich viel. Manchmal werden vier an einem Tag geboren“, weiß Manfred Wagner aus Brochhagen zu berichten. Auch sehr zeitaufwändig: das Klauenschneiden. Jede der 100 Kühe muss einmal 'ran auf dem Wagnerschen Hof: „Einer Kuh die Klauen zu schneiden dauert 20 Minuten.“ Dabei bearbeitet er mit gebeugtem Rücken die Hufe einer Kuh mit einem scharfen Messer - eine Knochenarbeit. Auf seinem Hof wird das Futter im Winter in einer speziellen Maschine gemischt, damit die Tiere die optimale Ration erhalten.

Neben den 145 Milchkühen und Rindern gibt es auf dem Hof von Wolfgang Kern in Klespe zusätzlich Pferde, die zu versorgen sind: „Nicht nur die Kühe sind bei uns im Winter im Stall. Auch die Pferde kommen weniger auf die Wiese. Für die Boxenhygiene ist es wichtig, regelmäßig neu einzustreuen.“ Die übrige Zeit nutzt er für Instandhaltungen: hier ist mal ein Brett locker, dann muss da noch eben eine Boxentür ausgebessert werden.

Dass es immer etwas zum Reparieren gibt, kann auch Familie Gräf aus Remshagen bestätigen: „Maschinen, die im Sommer wieder gebraucht werden, setzen wir den Winter über in Stand.“ Davon kann auch Ferdi Schmidt aus Unterlichtinghagen ein Lied singen, der neben der Landwirtschaft ein Lohnunternehmen betreibt: „Im Sommer fahren wir für andere Bauern die Ernte ein. Daher nutzen wir den Winter dazu, alle Maschinen auf Vordermann zu bringen.“

Manchmal sitzt der

Bauer auch im Büro

Im Gegensatz zu Schmidt, der viele Stunden in der Werkstatt verbringt, nutzt Herbert Gräf die Zeit, liegen gebliebenen Bürokram zu erledigen. „Die wirtschaftliche Bilanz unseres Hofes ziehen wir im Mai“, erklärt seine Frau Diana Gräf, „bis dahin müssen alle Schriftangelegenheiten bearbeitet sein.“ Der Winter bringt also auch keine Pause: ob im Wald, in der Werkstatt oder Büro - bis zur ersten Ernte gibt es für die Bauern viel zu tun.