KERPEN. Zum Jubiläum ging er von Bord, der langjährige Leiter. Einen Tag, bevor beim Fest an dem damaligen Kerpener Tagesheimgymnasium zu seinem 25-jährigen Bestehen das Thema Gaukelei im Vordergrund stand, nahm Heinz Brunkhorst seinen Abschied - der Mann, der die Lehranstalt von Beginn an mit aufgebaut hat.
Von der ersten Lehrerkonferenz am 9. August 1968, damals noch mit zwei hauptamtlichen Pädagogen in den Pavillons der ehemaligen Sonderschule in Türnich, über den Umzug in die Barabaraschule gut ein Jahr später und die nochmalige Umsiedlung in den 1975 fertig gestellten Neubau in der Philipp-Schneider-Straße: Brunkhorst begleitete das rasche Wachstum, ab Beginn der 80er Jahre mit dem jetzigen Rektor Bernhard Ripp als Stellvertreter an seiner Seite. Wie kein anderer habe sein Vorgänger die Schule geprägt, würdigt Ripp dessen Verdienste.
Der neue Leiter sah sich im zweiten Amtsjahr 1994 mit einer großen Herausforderung konfrontiert: Das Leibniz-Gymnasium, 1982 als Halbtags-Gymnasium in Horrem gegründet, war 1992 / 1993 ebenfalls ins Schulzentrum gezogen, um eine Oberstufe einrichten zu können. Da aber, wie Ripp schildert, die Schülerzahlen dafür nicht ausreichten, übernahm das Tagesheimgymnasium die Verwaltung. Bis am 1. August 1994 der Rat beschloss, die beiden Schulen zu vereinigen. Ripp blieb Schulleiter, der Rektor des Leibniz-Gymnasiums, Rolf Meier-Wagner, wurde sein Stellvertreter. Die vergangenen Zeiten, die auch von Auseinandersetzungen geprägt waren, waren schnell vergessen, blickt Ripp in diesen Tagen, in denen das Gymnasium 40 Jahre alt wird, auf das Zusammenwachsen der beiden Lehranstalten zurück.
Neue Wege ging das Kerpener Gymnasium von Anfang an - was schon der damalige Name Tagesheimgymnasium deutlich macht. Nachmittagsunterricht war direkt nach Schaffung der räumlichen Kapazitäten ein Jahr nach der Gründung an der Tagesordnung, 1971 firmierte die Schule dann offiziell als Neusprachliches Gymnasium in Ganztagsform mit angeschlossenem Aufbaugymnasium - was ebenfalls bedeutete, dass in dem Jahr die Oberstufe eingeführt wurde.
Neue Wege ging die Schule auch mit der Einrichtung des ersten Sprachlabors kreisweit 1969, der Anschaffung des ersten Computers zu Schulzwecken 1971 und der ersten Rechner-Anlage nur vier Jahre später. Weitere Innovationen: ein doppelqualifizierender Bildungsgang, bei dem ab 1976 neben dem Abitur auch das Zeugnis als Fachsportlehrer erworben werden konnte. 1984 wurde dies durch den zusätzlichen Abschluss als Fremdsprachenkorrespondent erweitert, seit 1995 hat die Schule, an der mit Italienisch seit 2007 sechs Sprachen gelehrt werden, einen bilingualen Zweig Englisch.
Dass die Europaschule, die diese Benennung zunächst 2001 vom Stadtrat erhielt und im Februar dieses Jahres offiziell dafür zertifiziert wurde, sich weiter entwickelt, dafür will Ripp sorgen. Die Schule lebe, betonte er in seiner Ansprache zum Jubiläum. Und das mit einer Rekordzahl von derzeit 2266 Schülern und zehn neuen Eingangsklassen - als die pädagogische Arbeit begann, waren es gerade einmal zwei Klassen gewesen.