Siegburg – Groß wie ein Koffer sei er gewesen, der Wolsdorfer Brocken, der gestern Morgen auf dem Radweg an der Wahnbachtalstraße lag und im Siegburger Rathaus die Alarmglocken läuten ließ. Denn in der Tat hatten sich mehrere Brösel aus einem Fels gelöst, der größer und schwerer als der „Wackelzahn“ ist, der Anfang Mai auf die Häuser in der Hubertusstraße zu stürzen drohte. Und jetzt ist auch dieser rund 12 Tonnen schwere Kaventsmann beträchtlich ins Wanken geraten.
Flugs alarmierte Ralf Beyer, als Abteilungsleiter im Baubetriebsamt für die städtischen Grünflächen zuständig, wieder einmal das Technische Hilfswerk, das mit rund einem Dutzend Ehrenamtler anrückte und - wie gehabt - den Brocken einstweilen mit Eichenbohlen und einem Stahlgerüst abstützte. Dazu musste freilich die Wahnbachtalstraße ab Nachmittag komplett gesperrt werden.
Bereits Mitte vergangener Woche hatte ein Spaziergänger in der Nähe der Felsgruppe Risse im Erdreich des Wolsberges entdeckt. Seitdem sei das Gelände, so die Stadtverwaltung, „in regelmäßigen Abständen“ kontrolliert, doch keine Veränderung festgestellt worden. Bis gestern Morgen.
Sofort wurde zunächst der Radweg gesperrt und machte sich das Team von Ralf Beyer mit Kettensägen an die Arbeit, um den Fels freizuschneiden, bevor das THW sein Einsturzsicherungssystem installieren konnte. Damit wird über Laserstrahl jedes auch noch so kleine Rumoren im Berg registriert, so dass die Helfer wenn nötig schnell das Weite suchen können. Einsatzleiter Jens Schulz blieb gleichwohl ganz cool. Für das THW war der Einsatz fast schon Routine - „wohl oder übel“, meinte Schulz. Indes kann kein Zufall sein, dass binnen kurzer Zeit schon zum zweiten Mal ein Fels ins Wanken geriet. Beyer vermutet den harten Frost im vergangenen Winter als Ursache. Zu Eis gefrorene Feuchtigkeit im Fels könnte den Stein gesprengt haben, erläutert er. Und das ist, obschon keine Wohnhäuser gefährdet sind, diesmal besonders kritisch. Überall rund um den Fels „ist Bewegung drin“, formulierte Beyer und ahnte Schlimmes: Der Brocken halte vermutlich das ganze Erdreich. Wenn der Stein entfernt würde, könne der „halbe Berg abrutschen“. Einstweilen aber ist die Gefahr gebannt. Bis an den Rand des Radweges reichen Balken und Stahlgerüst, die den Kaventsmann in Schach halten, bis in Absprache mit einem Geologen weitere Sicherungsmaßnahmen angegangen werden. Freilich mussten, um das „Korsett“ verankern zu können, zunächst kleinere Felsstücke unterhalb des faulen Zahns abgemeißelt werden.