Abo

internationale filmschule köln„Man muss für diese Berufe brennen“

3 min

Welcher Filmstudent träumt nicht davon eines Tages einen der begehrten Fimpreise in der Hand zu halten: Der Regisseur Wim Wenders erhielt Anfang Dezember den Europäischen Filmpreis für seine Leistungen in der Kategorie "European Film Academy Documentary 2011" für den Film "Pina".

Filmregisseur, das klingt nach Traumjob. "Aber man muss schon brennen für diesen Beruf", meint Simone Stewens, "sonst schafft man es nicht." Sie muss es wissen, denn seit genau zehn Jahren ist sie Geschäftsführerin der internationalen filmschule köln (ifs).

Beim Sprung ins kalte Wasser haben es die Regisseure zwar am schwersten, "dennoch waren seit 2005 schon 30 unserer Absolventen aus den Gewerken Regie, Drehbuch und Produktion an abendfüllenden Filmen beteiligt". Für Autoren und Produzenten sei es einfacher, freie oder feste Jobs zu finden, "Regisseure müssen sich oft einen Brotberuf suchen und parallel an Projekten arbeiten". Dennoch mahnt Stewens bei der Politik der Stadt und des Landes sowie bei den hiesigen Sendern an, "mehr zu tun, um die Absolventen auch hier zu halten. Dazu müsste der Medien-Hotspot Köln eigentlich in der Lage sein, zumal der Markt doch diesen frischen Blick auf die Welt und neue Stoffe braucht". Dennoch bleiben "zwischen 80 und 90 Prozent der Absolventen hier - wir waren aber mal bei 100". Heute lockt viele das billigere Berliner Metropolenleben...

Die gravierendste Veränderung in der letzten Dekade sieht Stewens in der Digitalisierung. "Was das nicht nur für Produktion und Vertrieb, sondern auch künstlerisch bedeutet, ist immer noch nicht ganz ausgelotet." Die Studierenden erwarten die entsprechende Ausstattung, "aber auch die Einführung ins digitale Denken". Ein intellektueller Spagat, denn die ifs will das neue Erzählen vermitteln, ohne die traditionelle Filmkunst über Bord zu werfen. "Denn wenn das digitale Produkt immer wieder veränderbar ist, kann das Erzählen auch beliebiger werden."

Simone Stewens weiß, "dass zu jedem künstlerischen Studium mindestens eine große Krise gehört", die das siebensemestrige Studium auf eine Zerreißprobe stellt. Dennoch gibt es nur wenige Abbrecher, "in der Regel ein Prozent. Das liegt aber auch an unserem Auswahlverfahren, das schon sehr genau prüft, ob der Bewerber das Studium durchsteht. Denn das ist anstrengend, körperlich wie geistig - aber das gilt ja für die angestrebten Berufe ja erst recht".

Wie sieht die Geschäftsführerin die Konkurrenz zur Kunsthochschule für Medien (KHM)? "Ideal ist es natürlich nicht, zwei ähnlich ausgerichtete Schulen an einem Ort zu haben. Ich war am Anfang überrascht, wie sehr die ifs als Bedrohung für die KHM gesehen wurde und habe mich sehr bemüht, das zu entschärfen." Dies ist offenbar geglückt, man arbeitet im Bereich Kamera zusammen, kooperiert bei Produktionen und pflegt weiterhin die Unterschiede. Dort ein zunächst eher generalistisches kunstwissenschaftliches Studium (KHM), hier eine frühe Spezialisierung auf einen filmkünstlerischen Beruf, "wenn auch vor dem Hintergrund eines großen Wissens um den Film als Ganzes. Nur so lernt man auch den Respekt für die anderen Gewerke".

Die Kritik an einer unpolitisch braven Jugend teilt Stewens nicht (mehr). "Das ändert sich vor dem Hintergrund der Banken- und Finanzkrise gerade deutlich, und ich habe den Eindruck, dass es insbesondere viele zornige junge Männer gibt. Es kommt auch vor, dass sie sich in ihren Filmen von dieser Gesellschaft ab- und archaischeren Strukturen zuwenden", was der Geschäftsführerin zumindest zwiespältige Gefühle beschert.

Zur Erfolgsbilanz der ifs zählt gewiss, dass 98 Prozent der Absolventen in der Branche Arbeit finden, "obwohl sie anfangs den Praxisschock erleiden, dass niemand auf sie wartet". Die Schule hingegen, die in der Werderstraße weder Aula, noch Studio oder Kino hat, wartet auf neue, größere Räumlichkeiten.

Im Herbst kommt mit "Digital Film Arts" ein neuer Studiengang hinzu, und man wird mit 100 Studenten eine Höchstzahl erreichen. "Da wäre auch eine kommunikativere Architektur gut. Denn so schön das Haus von außen ist - innen verschluckt es die Leute."