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InterviewGroßzügig, aber manchmal ungerecht

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Die Familie ist mein Rückhalt, sagt Mariele Millowitsch. Hier ist sie in der neuen Krimi-Serie als Marie Brand zu sehen. (Bild: ZDF)

KölnDas Verhältnis zum Vater war nicht unproblematisch. Wie sehen Sie ihn jetzt, aus der Distanz?

Peter Millowitsch: Entspannt. Mit zehn Jahren Abstand relativieren sich die Dinge.

Was waren aus Ihrer Sicht seine liebenswertesten Eigenschaften?

Peter Millowitsch: Er war immer sehr großzügig, kein Korinthenkacker.

Gibt es etwas, das Sie am Vater noch heute nervt?

Peter Millowitsch: Dieses Ungerechte, das mit zweierlei Maß messen, das hat mich verletzt und genervt.

Mariele Millowitsch: Manches hätte er uns und sich besser erspart. Er war wirklich nicht gerecht. Er hat dasselbe übrigens mit seinem Vater durchgemacht. Schade, dass er das nicht reflektiert und daraus gelernt hat.

Wer hatte mehr Einfluss auf die Erziehung, Mutter oder Vater?

Mariele Millowitsch: Gerda, ganz klar. Sie war immer präsent, egal, ob man ne Fünf hatte oder hingefallen war.Dabei hatte es meine Mutter selbst nicht leicht mit meinem Vater. Was die Gerda weggesteckt hat - so eine Frau muss man erst mal finden.

Hatten Sie eigentlich die Wahl, das Theater nicht zu übernehmen?

Peter Millowitsch: Man hätte doof geguckt, wenn ich's nicht gemacht hätte. Ich hatte aber auch keine wirklich andere Perspektive.

Standen auch die Töchter zur Diskussion für die Nachfolge?

Mariele Millowitsch: Meine Schwestern waren gar nicht ambitioniert. Ich kam nicht in die Wahl, weil ich erst Tiermedizin studiert und dann an anderen Theatern gespielt habe. Ich war für Vater immer eine Wackelkandidatin.

Sollten alle Kinder auf die väterliche Bühne?

Mariele Millowitsch: Ich glaube, das hätte Willy gut gefallen.

Wie steht das Theater heute da?

Peter Millowitsch: Ausverkauft könnte es öfter sein. Wir können aber noch die Rechnungen zahlen. Es läuft ganz gut.

Was machen Sie anders als ihr Vater?

Peter Millowitsch: Ich schreibe alle Stücke selber, ich habe keines von Willy aufgeführt. Die Zeit dieser Stücke ist vorbei.

Möchten Sie, wie es sich Ihr Vater für sich gewünscht hatte, bis „zum Schluss“ auf der Bühne stehen?

Peter Millowitsch: Das wäre eine schreckliche Vorstellung. Ich setz mich aber nicht unter Druck, wie lange ich spiele. Bis jetzt macht es immer noch Spaß.

Was geschieht, wenn Sie als Theater-Chef ausscheiden?

Peter Millowitsch: Es sieht so aus, dass dann eine Tradition zu Ende ist. Dann geht die Immobilie an ihren Besitzer zurück.

Gucken Sie gelegentlich Fernseh-Aufzeichnungen aus dem Theater oder vielleicht Willy-Filme?

Mariele Millowitsch: Kommt auf die Stimmung an.

Peter Millowitsch: Kommt aufs Stück an.

Wie oft kommen die vier Millowitsch-„Kinder“ noch zusammen?

Mariele Millowitsch: Am ersten Weihnachtstag bei der Katinka (Schwester Katarina). Die hat den größten Tisch. Ich mache dieses Jahr aber blau, weil ich mit Freunden zu Freunden nach Los Angeles fahre.

Peter Millowitsch: Die Susi (Schwester Susanne) arrangiert öfter Abendessen, dann gehen wir alle aus essen.

Wie verstehen Sie sich untereinander?

Mariele Millowitsch: Ich wäre aufgeschmissen ohne die Bande. Das ist mein Rückhalt.

Peter Millowitsch: Wir haben großen Respekt voreinander und würden uns nie ungefragt in das Leben der anderen einmischen.

Wie stark ist Willy Millowitsch heute noch im Bewusstsein der Kölner verankert?

Mariele Millowitsch: Ich glaube, wenn Sie einen 19-Jährigen fragen, kommt nix. Das ist eigentlich traurig, weil er sich so bemüht hat, nicht in Vergessenheit zu geraten.

Peter Millowitsch: Ältere erzählen mir aber noch oft: Ich hab Ihren Vater gekannt, ich hab ihn gemocht, ich hab so gern seine Stücke gesehen.

Wenn Ihr Vater noch leben würde, was würden Sie ihm zum 100. schenken?

Mariele Millowitsch: Keine Ahnung.

Peter Millowitsch: Wahrscheinlich wär unser Verhältnis so zerrüttet gewesen, dass er kein Geschenk angenommen hätte.

Wie würdigen Sie den Tag?

Peter Millowitsch: Die Stadt lädt ein. Der Oberbürgermeister wird im Beisein von geladenen Gästen am Grab einen Kranz niederlegen, danach werden wir alle im Rathaus ein Willy-Special angucken. Abends habe ich Vorstellung. Für die Gäste gibt es vor Beginn der Aufführung Rievkooche und kölsche Tön von ,De Familich .

Mariele Millowitsch: Vielleicht gehen wir Mädels nach der Veranstaltung auch ins Theater, ich hab Peters Stück „Man kennt sich, man hilft sich“ noch nicht gesehen.