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Islandpferde-MeisterschaftEin Pferd als Verlobungsgeschenk

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Vor den Augen zahlreicher Besucher kämpften die Reiter mit den besten Pferden Deutschlands in Roderath um die Meister-Titel. (Foto: Dreimüller)

RODERATH – Während am Horizont das letzte Licht der Abenddämmerung verschwindet und über der Reitanlage die Nacht hereinbricht, werden die Fackeln entzündet. Der Feuerschein taucht die Ovalbahn in ein mystisches Licht, der Mond tritt hervor - optimale Bedingungen für den Mondscheintölt. Dabei wird klar: Bei der Deutschen Islandpferde-Meisterschaft (DIM) wird nicht nur um Titel und Plätze gekämpft.

Mehrere Hundert Besucher warten gespannt, in welchen Kostümen sich die Reiter auf die Bahn wagen würden. Dann ist es soweit, mit bunten Lichtern behängt drehen Pferde und Reiter ihre Runden - illuminiert von Fackelschein und Mondlicht. Doch auch hier geht's ein wenig um sportlichen Wettkampf: Schiedsrichter begutachten den Tölt-Gang der Pferde - und die Besucher stimmen per Applaus über das schönste Kostüm ab.

Während Anja Widdau als „Geist des IPN“ den besten Tölt hinlegte, gewann Nadja Meurer mit ihrem Pferd, Spitzname „Hasi“, den Preis für das beste Kostüm. Als „Badehase“ hatte sich die Wallenthalerin kostümiert, stilecht mit Gummiboot und Taucherbrille samt Schnorchel für ihr Pferd. „Es ist einfach nur aufregend“, sagte Meurer nach der Siegerehrung: Drei Tage hatte sie am Kostüm gebastelt, vier Stunden dauerte das Einkleiden von Pferd und Reiter. Das „Geheimnis des Lichts“ lüftete Kira Schneider, die mit Pferd Skvetta als „Barbiefee“ teilnahm: Batterien ließen die Lämpchen leuchten. Die scherzhafte Vermutung mancher Zuschauer, auf den Pferden seien Stromaggregate angebracht, stimmte also nicht.

Nach Abschluss des Mondscheintölts wurde es romantisch: In einem Herz aus Fackeln machte Stefan Scheuffgen aus Bürvenich seiner sichtlich überraschten Freundin Carolin Keldenich einen Heiratsantrag. Die Antwort war natürlich ein sanft gehauchtes Ja, als Verlobungsgeschenk erhielt die zukünftige Frau Scheuffgen von ihrem Verlobten ein Islandpferd.

Am Tag stand der Sport im Vordergrund. Und auch das zog am Samstag und gestern viele Besucher zur Reitanlage. Organisationsleiterin Birgit Poensgen schätzte, dass sich am Wochenende rund 7000 Besucher die Wettkämpfe ansahen. Begutachtet wurden die 226 DIM-Starter von Schiedsrichtern aus Dänemark, Belgien, Island und Deutschland.

Während der Wettkämpfe mussten perfekte Bedingungen herrschen. Nicht auszudenken, wenn ein Pferd aufgrund einer vom Wind umhergewirbelten Serviette scheuen und der Reiter disqualifiziert würde. „Es muss halt alles noch ein bisschen perfekter sein“, zog Poensgen den Vergleich zum Aufwand einer Vereinsmeisterschaft. Das hat auch bei den Organisatoren Spuren hinterlassen: „Die letzten eineinhalb Wochen waren echt hart.“ Doch schließlich habe sich der Islandpferde-Reiter- und Züchterverband (IPZV) aufgrund der tollen Reitanlage und des guten Rufes an den Islandpferde Reiterverein Nordeifel (IPN) in Roderath gewandt, dass dieser die Meisterschaft in der Eifel austragen solle. Daher hat das Turnier für Isländer-Freunde einen ganz besonderen Reiz. Poensgen: „Hier sieht man die besten Pferde Deutschlands." Da zudem die Tickets für die WM in Österreich vergeben wurden und die Equipe vorgestellt wurde, sagte Poensgen: „Unter Umständen sieht man hier schon den zukünftigen Weltmeister.“

Poensgen weiß, bei wem sie sich für den Erfolg zu bedanken hat: „Ohne unsere 150 Helfer könnten wir solch eine Veranstaltung nicht durchführen.“ Während viele Besucher und Reiter die Wettkämpfe der Strecke verfolgten, ging es im Reiterlager beschaulicher zu. Pferde wurden gestriegelt, die Ausrüstung kontrolliert und reichlich gefachsimpelt. Viele Reiter zogen sich zwischen den Wettkämpfen in ihr Quartier zurück, um Ruhe und Konzentration für die kommende Prüfung zu finden. Die Erfolge des Tages konnten zudem abends im Discozelt gebührend gefeiert werden. Für viele Hobbyreiter, die sich die Wettkämpfe anschauten, bot die Deutsche Meisterschaft zudem einen unbezahlbaren Vorteil: „Bei den Profis kann man sich immer etwas abgucken“, sagte Poensgen.