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Jeder möchte gut getroffen sein

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Ob in Mailand, New York, Philadelphia, Köln oder Düsseldorf, wenn es ums Fotografieren geht, wird es ernst in den Familien. Nicht, dass man nicht sein „schönes“ Gesicht, also sein lächelndes, vorzeigte, nein, man versucht freundlich zu schauen, direkt in die Kamera. Aber eine gewisse Anspannung ist nicht zu übersehen. Weder die wohlhabende Familie Consolandi in Mailand noch die Familie Gerhard Richter in Köln kann so ganz verhehlen, dass es ihr wichtig ist, vom Fotografen gut getroffen zu werden.

Mit Repräsentation haben die Fotografien, die Thomas Struth jetzt unter dem Titel „Familienleben“ in der Photographischen Sammlung der SK Stiftung Köln zeigt, viel zu tun. Eine Ausstellung, in der die Arbeiten eines Fotografen würdevoll und so sensibel präsentiert werden, dass es ein Genuss ist, sie in Ruhe anzuschauen. So kann man umso genauer beobachten, wie Familien noch mit rührender Entschlossenheit darum bemüht sind, ein einheitliches Bild von sich als Lebensgemeinschaft herzustellen.

Wenn es auch überall kriseln mag, auf dem Bild sind sie eine Einheit. So werden die Kinder zumeist stolz in den Vordergrund gestellt, sind sie doch offenbar kostbarster Besitz in einer Gesellschaftsschicht, in der man auch noch so allerhand andere Vermögen zu besitzen scheint. Das verraten die Hintergründe der Porträtierten, die in ihrer heimischen Umgebung abgelichtet wurden, denn Thomas Struth sind, wie er sagt, die üblichen Studioaufnahmen „zu langweilig“. „Der Klang der Person und der Klang der Umgebung verstärken sich“, erklärt der Fotograf, der keinen Einfluss auf das Setting vor seiner Kamera nimmt; jede Familie setzt sich so, wie sie möchte. Und dennoch gelingt es Struth - der bei Gerhard Richter und Bernd und Hilla Becher studierte - in fast jedem seiner Bilder Familien als Schicksalsgemeinschaften zu zeigen. In diesen Arbeiten kommt die Fotografie auf besondere Weise zu sich selbst, da die Bilder vom Vergangenen, der Art und Weise, wie jemand geworden ist und der möglichen Zukunft erzählen, die jeder Einzelne noch vor sich hat. Struth spricht von einem „epischen“ Moment in seinen Bildern, und tatsächlich nehmen sich seine Fotografien wie Anleitungen zum Nachsinnen über Schicksalslinien einzelner Personen aus.

Das eigentliche Thema dieser Arbeiten, die mitunter jahrelanger Vorbereitungen bedürfen, um dann an einem Tag realisiert zu werden, ist die Beziehung der Personen untereinander. Das wird brillant in Struths Paar-Porträts deutlich, in denen man etwa das in die Jahre gekommene Ehepaar Eleonore und Giles Robertson sieht. Zwei Persönlichkeiten, die sich autonom zeigen, aber gleichwohl mit dem Foto das Statement abgeben, dass sie ein Paar sind.

Auch bei Jüngeren sieht man, wie zwei Menschen einander suchen, um sich als verschmelzende Einheit zu präsentieren. Die Ausstellung gibt in dieser delikaten Auswahl eine Vorstellung vom inhaltlichen Reichtum der Porträtfotografie gerade im Zeitalter des schnellen elektronischen Bildes. Wie konsequent sich Struths Arbeiten in der Tradition eines August Sander bewegen offenbaren die in Raum 4 vorgestellten „Bilder von Paaren und Familien“. Zur Ausstellung ist im Verlag Schirmer / Mosel die gleichnamige Publikation zum Preis von 49,80 Euro erschienen.

Bis 20. April,Di-Do 14-19 Uhr, Mo Eintritt frei. MediaPark 7 Tel. 0221 / 226 24 33