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Jesus ist ein Afrikaner

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SANKT AUGUSTIN. Zwei gefesselte Menschen hat Charles Nhosi in einer Folterszene mit dem Kreuz verbunden. Von einer unglaublich fein geschnittenen Linolplatte zog Azariah Mbatha seine "Bergpredigt" ab, bei der Christus halb schwarz und halb weiß dargestellt ist. Lindive Mvemve stellte Christus schwarz und Maria weiß dar. "

Damals haben wir diese Arbeiten für 20 Mark pro Stück gekauft", verwies Professor Dr. Josef Thiel aus Frankfurt auf die eindrucksvollen Grafiken im Haus der Völker und Kulturen, die bei der Sonderausstellung "Jesus ist ein Afrikaner" noch bis zum 31. Oktober zu sehen sind.

In der Zeit der Apartheid in den 60er und 70er Jahre entstanden die Linolschnitte mit christlichem Inhalt, die heute zu Höchstpreisen gehandelt werden. Von anderen Kunsthäusern belächelt, haben die Steyler laut Thiel als erstes Museum moderne afrikanische Kunst gesammelt. In seinem ausführlichen Vortrag über die Wichtigkeit der christlichen Kunst in der Inkulturisation machte der ehemalige Leiter des Museums und Professor für afrikanische Ethologie und Soziologie die unterschiedlichen Auffassungen von Kunst in Europa und Afrika deutlich. Kunstobjekte, bevorzugt Skulpturen, seien auf dem schwarzen Kontinent an erster Stelle Objekte des Kultes, Kultgegenstände statt Kunstgegenstände. Die von christlichen Missionaren bis ins 19. Jahrhundert ins Land importierten Devotionalien hätten gegen diese Sakralobjekte von übermächtiger Kraft in der ganzheitlich ausgerichteten Kultur keine Wirkung gehabt. Erst ab 1920 habe man zaghaft begonnen, christliche Inhalte mit afrikanischen Formen auszudrücken.

Das Steyler Museum an der Arnold-Janssen-Straße 26 zeigt diese Entwicklung mit beeindruckenden Exponaten bis in die Moderne. Dazu gehören auch Zepter und Beichtstab, Kongokreuze (17. / 18. Jahrhundert), Kreuze aus Messing, Gelbguss, Ton und Holz, Batiken, Gemälde, darunter auch ein moderner Kreuzweg in Öl aus dem Kongo und feinst ausgearbeitete Skulpturen wie eine faszinierende Stele aus Ebenholz mit der Darstellung der Weihnachtsgeschichte, die sich als überdimensionaler Kerzenhalter erweist.

Im Lichthof des Hauses dokumentieren zusätzlich ausdrucksstarke Porträtfotografien von Bruder Heinz Self das aktuelle Leben afrikanischer Menschen. Für den mitreißenden musikalischen Teil der Ausstellungseröffnung sorgte die Formation „AfrikanEr.de“, die bereits zuvor einen Trommelworkshop angeboten hatte. Der Choreograph und Tänzer Mich Mokelo (Kongo), Organist Volkmar Martin Schurr und der Bassist und Perkussionist Alphonse Saraoua (Zentralafrika) bewiesen, dass klassische Musik, Reggae, afrikanische Trommelkunst und traditionell afrikanischer Gesang durchaus zusammen passen. Mit ihrem unkonventionellen Mix und ansteckender Fröhlichkeit brachten sie die Gäste schnell in Bewegung.