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„Jong, dat häste widder jot jemaat“

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Viele kamen gern nach Hürth. Doch ins Goldene Buch der Stadt haben sich auch Menschen eingetragen, die früher einmal hierhin verschleppt wurden oder aus Hürth fliehen mussten.

HÜRTH. „Wir hatten nur 30 Mark, als wir 1938 vor den Nazis aus Hürth nach New York flohen“, erinnerte sich Amelie Buchler, geborene Levy, als sie 1998 ihre frühere Heimat wieder sah. Der damalige Bürgermeister Rudi Tonn hatte die Amerikanerin und fünf weitere ehemalige jüdische Einwohnerinnen 60 Jahre nach ihrer Flucht aus ihrer neuen Heimat in den USA, in Israel und England zu einem einwöchigen Besuch eingeladen. Auch dieses Ereignis dokumentiert das Goldene Buch der Stadt, das im Ratsbüro aufbewahrt wird.

Vor acht Jahren machten sich die Besucherinnen langsam wieder vertraut mit Deutschland. „Meine älteste Schwester würde nie wieder einen Fuß auf deutschen Boden setzen“, sagte Henriette Abbey, geborene Löwenstein. Ihr und ihren drei Schwestern fiel es nicht leicht, über das Schicksal ihrer Mutter zu sprechen. „Wir vermuten, dass sie in Theresienstadt ums Leben gekommen ist.“ Die Familie Löwenstein soll vor der Flucht über 400 Jahre in Hürth und Umgebung gelebt haben.

Der Stadtrat entscheidet in Absprache mit dem Bürgermeister, wer sich in den 40 mal 45 Zentimeter großen Band mit dem Stadtwappen auf dem Deckel eintragen darf. Dazu gehörten auch die 13 ehemaligen Zwangsarbeiter aus Osteuropa, die vor vier Jahren zu Besuch kamen und erstaunlich positive Erinnerungen an Hürth hatten. Man habe ihn gut behandelt, meinte der 76-jährige Wladimir Chalo aus der Ukraine, der 1943 in einem Güterwagen ins Rheinland verschleppt wurde und täglich über zwölf Stunden bei der Reichsbahn in Kalscheuren schuften musste. Er habe nach Hause gewollt, weil hier niemand seine Sprache sprach.

Das Goldene Buch wurde 1970 angelegt, als Hürth noch eine Großgemeinde war. Schon damals kam viel internationaler Besuch wie der Botschafter der damaligen Sowjetunion, Semjonov Zarapkin, im Jahr 1970 sowie eine japanische Delegation, die sich 1972 über Umweltschutz informieren wollte. 1983 gab sich der damalige Innenminister von Baden-Württemberg und spätere Bundespräsident Roman Herzog die Ehre. Auch den damaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Gerhard Schröder, führte 1997 eine Einladung der SPD her.

„Und wieder: spucken in die Hände und spürst genau, du schaffst es nie“, schrieb 1989 der Kabarettist Martin Sommerhoff ins Goldene Buch, als der Alt-Hürther mit dem Kulturpreis der Stadt ausgezeichnet wurde. Zwei Jahre zuvor war mit derselben Auszeichnung auch der Kammersänger Josef Metternich geehrt worden, nach dem die Musikschule benannt ist. Verewigt sind auch die mittlerweile verstorbenen, bislang einzigen zwei Ehrenbürger Hürths: die Altbürgermeister Karl Ingenerf und Rudi Tonn.

Die Einträge gestaltet seit 1980 der Hüchelner Grafiker Günter Villinger. Der Künstler hat freie Hand. „Ich bekomme nur den Anlass mitgeteilt, und dann mache ich mir Gedanken“, sagt Villinger. Zum 40-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft mit Spijkenisse und Thetford entwarf er eine „Burg Europa“ mit den neuen Mitgliedsländern, die durch das Tor kommen. „Rudi Tonn hat früher immer gesagt: ,Jong, dat häste widder jot jemaat .“ Dessen Nachfolger als Bürgermeister, Walther Boecker, spreche leider kein Platt. Er sage: „Wunderbar!“