Köln – Den Ellbogen hoch in der Luft, leicht vornüber gebeugt, das hintere Bein ein wenig angehoben steht Veronika Wand da, als sie mit dem Bogen über die Saiten ihrer Violine streicht. Neben der 18-Jährigen steht Carlotta Manno mit ihrer Klarinette. Für diesen Auftritt hat sich die 15-Jährige ein Kleines Schwarzes zu ihren Turnschuhen übergestreift, denn an diesem Samstag sind die beiden Teil eines besonderen Ensembles: Zusammen mit Lisa Cömert an der Querflöte, Malte Weinig an der Trompete, Cellist Michael Polyzoides, Joscha Hartmann am Kontrabass und Grigory Bekritsky am Klavier stehen sie im Wettbewerb von Jugend musiziert auf der Bühne.
150 Teilnehmer treten in diesem Jahr in der Hochschule für Musik und Tanz an. Die Kategorien reichen von Solowertungen für Blasinstrumente und Gitarre über vierhändige Klaviermusik bis hin zu größeren Ensembles. Insgesamt 104 Wertungsvorspiele beurteilen die 28 Juroren und vergeben jeweils bis zu 25 Punkte. Für das siebenköpfige Team von Ricarda Bröhl, Lehrerin an der Rheinischen Musikschule, ist das Ziel klar: Mindestens 23 Punkte müssen für ihre Schützlinge drin sein, damit sie sich für den Landeswettbewerb qualifizieren: "Zwar haben sie erst seit Dezember zusammen geprobt, aber es ist ein reizvolles Stück. Das könnte funktionieren." Als die Instrumente verstummen, herrscht vollkommene Stille im Konzertsaal. Nur das Umblättern der Noten ist zu hören. Zwischen den Sätzen des Stücks von Johann Nepomuk Hummel wird nicht applaudiert. Die Anspannung ist den Musizierenden deutlich anzumerken. Aufmerksam lauscht Juror Michael Kobold dem wieder einsetzenden Spiel. Der Direktor der Rheinischen Musikschule weiß schnell, wer wie gut ist: "Man bekommt ein Gespür dafür. Nur selten gehen die Wertungen von uns Juroren auseinander." Insgesamt sei das Niveau in Köln sehr gut, urteilt Kobold. Kein Teilnehmer sei bisher ohne Preis nach Hause geschickt worden.
Als der letzte Ton verklungen ist und der Applaus einsetzt, verbreitet sich freudige Erleichterung auf den Gesichtern des Septetts. Eigentlich hat alles gut geklappt. Aber nach dem Verbeugen ist für die Gruppe erst einmal Warten angesagt. "Wenn man solo spielt, kann man genau sagen, was man falsch gemacht hat", sagt Joscha Hartmann nach dem Auftritt, "aber wenn man zu siebt ist, ist das schwer einzuschätzen." Bis der 15-Jährige Gewissheit bekommt, muss er noch eine ganze Weile ausharren.
Nach eineinhalb Stunden ist es endlich so weit: 39 der 104 Wertungsvorspiele sind beim Landeswettbewerb dabei. Auch für das Septett hat es gereicht: Stolz bejubelt das Ensemble die erreichten 24 Punkte. Da der überregionale Wettbewerb in Köln stattfindet, ist es für die Sieben ein Heimspiel.
