Der Schlüsselbund klappert, ein großer Schlüssel dreht sich quietschend im Schloss. Eingesperrt sein. Hinter den schweren Eisentüren der Justizvollzugsanstalt (JVA) Ossendorf öffnet sich eine Parallelwelt: Durch kleine Fensterluken fällt etwas Tageslicht in lange Gänge mit zahllosen Türen. Die Zimmer dahinter wirken beklemmend und es riecht leicht muffig. Das Fenster ist vergittert, die massive Tür mit einem schmalen Guckloch ausgestattet. Auf kahlen acht Quadratmetern drängen sich ein Bett, eine offene Toilette mit einem winzigen Waschbecken und in die Wand eingelassene Regalbretter aus Holz.
Ein Tag der offenen Tür mutet in einer JVA seltsam an. Sie ist naturgemäß von der Öffentlichkeit abgeschottet, besonders der geschlossene Vollzug. Wer dort lebt, tut das nicht freiwillig, und wer dort arbeitet, hat nicht selten mit Vorurteilen zu kämpfen. Daher lädt die JVA Ossendorf einmal im Jahr Familie und Freunde ihrer 530 Bediensteten ein, den ungewöhnlichen Arbeitsplatz näher kennen zu lernen. Vergangenen Samstag nutzten rund 760 Besucher die Chance, einmal hinter Schloss und Riegel zu schauen.
„Man hat ja keine Vorstellung von der Enge. Es ist erschreckend. Ich frage mich, wie man das da bloß übersteht“, meint Marc Peters. Seine Familie wollte wissen, wo der Freund Andreas Lutz als Justizvollzugsbediensteter arbeitet. Der führte seine Gäste durch die weitläufige Anlage und zeigte Besucherräume und Ausbildungsstätten, den Fitnessraum und den Freistundenhof. Deutlich weniger einladend, aber für Besucher mindestens so interessant waren Einblicke in die Hafthäuser. Dort sitzen derzeit rund 800 Männer und 300 Frauen ihre Strafe von bis zu 48 Monaten ab.
„Es ist unangenehm hier drin und bedrückend. Ich sehe den Job meiner Mutter jetzt anders. Ich hätte Schiss hier zu arbeiten“, beschreibt Julia Enkel die Atmosphäre. Friseurmeisterin Rosalie Enkel bildet in der Ossendorfer Haftanstalt Frauen aus: „Eine Friseurlehre dauert natürlich, daher müssen die Teilnehmer eine gewisse Zeit hier sein“, erklärt sie. „Ich mache die Arbeit aber gern, denn mir sind die Menschen wichtig.“
Auch die Pastoralreferentin der katholischen Seelsorge, Dorothee Wortelkamp-M'Baye, hat wenig Berührungsängste. Sie war mit ihrer Familie schon mehrmals in der Kölner JVA zu Besuch. Tochter Mariama fühlt sich wohl, findet ihr ei-genes Zimmer aber schöner, und Aïda mag eigentlich nur die Gitter an den Fenstern nicht. „Uns gefällt es hier so gut, dass wir draußen bestimmt keinen Unsinn machen", erklärt Vater Madahour Sago M'Baye lachend und fügt hinzu. „Und es ist jedes Mal schön, hier wieder rauszukommen, das ist so befreiend."
