Köln – Deshalb bestellen sie von ihrer Zelle aus. Und werden häufig sauer, wenn die Ware bei ihnen ankommt: Einige Lebensmittel sind nur noch wenige Tage haltbar. Das ist deswegen ärgerlich, weil die Häftlinge nur zweimal im Monat einkaufen dürfen. Hinzu kommen Probleme bei der Kühlkette und überhöhte Preise. Wer an „Knackis“ verkauft, hat das Monopol.
Christoph Schaefler, der seit Jahren mit Kölner Häftlingen arbeitet, unter anderem mit ihnen Radiosendungen macht, kennt das Problem: „Es gab im Laufe der Jahre immer wieder Ärger deswegen und es wird ihn auch weiter geben.“ Schaefler hat mit JVA-Insassen einmal über einen längeren Zeitraum Preise zwischen „drinnen“ und „draußen“ verglichen. Bei einem Lieferanten seien die angebotenen Produkte im Schnitt um etwa 25 Prozent überhöht gewesen. Zigarettenpapier sogar um über 300 Prozent. Neben Tabak und Kaffee sind vor allem Cola, Nuss-Nougat-Creme, Wurst und Spaghetti gefragt. „Häftlinge können sich Kochplatten ausleihen, auf denen sie dann ab und zu selbst ihr Essen zubereiten“, erzählt Schaefler.
Einkaufen im Klingelpütz funktioniert so: Auf einer Liste kreuzt der Gefangene an, welche Produkte er haben möchte. Der Betrag wird dann von einer Art Konto, das die Insassen bei der JVA haben, abgebucht - sofern die jeweiligen Guthaben dafür ausreichen. „Tüten- oder Kartonkauf“ wird das Ganze genannt. In anderen Gefängnissen gibt es einen „Knast-Laden“, wo die Insassen unter Aufsicht in Kleingruppen auswählen können. Im Klingelpütz hingegen wird ein externer Kaufmann mit der Lieferung beauftragt - und der sitzt am Möhnesee im Kreis Soest.
Der Chef eines Edeka-Marktes hat laut Schaefler aber keine Kühlfahrzeuge. Stattdessen werde eine Spedition beauftragt. „Die Ware wird in kleine Container gepackt, hinzu kommen kleine Kühlelemente, wie man sie aus dem Haushalt kennt.“ Je nachdem wie das Wetter ist, der Lkw durch Staus aufgehalten wird, oder wie lange die Kartons vom jeweiligen Hafthaus bis zur Zelle unterwegs sind, können böse Überraschungen die Folge sein.
Michael Thewalt, Leiter der JVA Ossendorf, kennt die Beschwerden: „Die hat es zu allen Zeiten in allen Haftanstalten des Landes gegeben.“ Seine JVA sei dazu gehalten, ein wirtschaftlich günstiges Angebot einzuholen. Deshalb habe es eine Ausschreibung gegeben. „Wir haben damals bei der Wahl auch Gefangenenvertreter hinzugezogen.“
Wie zu hören ist, soll der Kaufmann vom Möhnesee erklärt haben, dass er die Insassen zwar beliefern, mit ihnen aber keinen Kontakt haben wolle. Christoph Schaefler kann das nicht verstehen: „Es sind seine Kunden. Ob drinnen oder draußen: Jeder Kunde hat das Recht, dieselbe Qualität zu bekommen.“