RHEIN-BERG – „Lampenfieber? Ja natürlich habe ich noch Lampenfieber“, antwortet Konrad Beikircher auf die Frage, ob man nach jahrzehntelanger Bühnenarbeit noch nervös sei. „Wer kein Lampenfieber hat, ist ein armer Tropf – hat der Innenminister Baum mal gesagt.“ Dann beißt er herzhaft in sein Brötchen. Hier in der Garderobe der Alten Drahtzieherei ist er am Freitagabend jedenfalls locker und gut drauf.Und das beweist er einige Minuten später auf der Bühne. Er erklärt seinem Publikum, dass er zwar rheinisch spricht, aber keinesfalls einen rheinischen Dialekt: „Denn Dialekte kann man nicht lernen, man muss im Dialekt geboren sein.“
Beispiellos das Mienenspiel, die Erzähltechnik des Wahlrheinländers, der eigentlich aus Bruneck in Südtirol stammt und seit mehr als dreißig Jahren auf der Bühne steht.In seinem aktuellen Programm „Schön ist es auch anderswo und hier bin ich sowieso“ erklärt er seinen Zuhörern detailliert, warum seine schier unendliche rheinische Trilogie inzwischen auf elf Teile angewachsen ist. Um das Wesen des Rheinländers zu erklären, das ja aus „Sprache, Mentalität und Glaube“ bestünde, sei er nun schon so lange unterwegs, dass ihm immer etwas dazwischen gekommen sei – typisch für den kommunikationsfreudigen Rheinländer. Als Beispiel erzählte Beikircher von seiner Schwägerin. Die geht morgens zum Büdchen, um sich eine Zeitung zu kaufen und „eben mal ein lecker Tässchen Kaffee trinken“. Dann trifft sie Leute, hält Schwätzchen und stellt überrascht fest, dass es schon Abend geworden ist. „Wie das so geht.“
Von der Eheins Vorgebirge
Unversehens ist er bei seinem Parlieren über die Ehe mit einer Rheinländerin – die nur funktionieren könne, wenn man die Kunst des „rheinischen Widerstands“ beherrsche – im Vorgebirge angekommen: Dem erstaunten Publikum setzt Beikircher die Spracheigenheit des rollenden „R’s“ des Kerpeners auseinander, das mit der Zunge nach vorne gerollt wird. Im Gegensatz zum Siegener „R“, das „lateral“, also seitlich, gerollt wird. Und da er gerade in der Gegend ist, kommt er auf seinen Freund Dirk und „Dirk singem Vatter“ mit seinem Aufsitzrasenmäher zu sprechen, auf Rentnermobilität und die „Freiheit des Alters“. Er gerät ins Plaudern über Rollatoren freundlicher alter Damen, fabuliert nebenbei über die Tracht der „Kappesbauern“ und ist endlich wieder bei Dirk und „Dirk singem Vatter“ und dem Aufsitzrasenmäher angelangt. Womit das Histörchen überhaupt erst richtig losgeht und um drei Ecken weiter erst beim „rheinischen Widerstand“ endet.
Neben vielen anderen sprachakrobatischen Geschichten macht Konrad Beikircher seinen aufmerksamen Zuhörern begreiflich, dass der Rheinländer eine völlig andere Glaubensbasis habe: Als „chromosomaler Katholik“ glaube er mit rheinischer Zuversicht überdies schon einmal „an Meisner vorbei“.Der Kabarettist, der in Sachen „Rheinisches Missionswerk“ bereits über zwanzig Jahren lang unterwegs ist, verpackt seinen Sprachwitz in immer neue haarsträubenden Storys, bringt seine Zuschauer zum Staunen, zum Freuen und zum Lachen. Auch an diesem Abend hat Konrad Beikircher den Saal über zwei Stunden gekonnt in seinen Bann gezogen.
