Es wird nicht nur der Zuschnitt der Wohnung gewesen sein, der Käufer für eine der 38 schicken Eigentumswohnungen in Sürth interessieren könnte. Preise von rund 500 000 Euro rechtfertigt vor allem für die Lage: Die schönen „Pavillonhäuser“ liegen direkt am Rheinufer.
Die Computeranimationen des Bauträgers Doetsch vom Projekt „Leben Am Greinshof“ suggerieren fast holländische Grachtenidylle mit freiem Blick aufs Wasser. Doch das Bild entsprach nicht der Wirklichkeit - zumindest bis zur letzten Woche: Hohe Bäume säumten das Ufer. Statt Rheinpanorama gab s „Gestrüpp“, wie einer der Wohnungskäufer sagt. Dafür habe er nicht den hohen Preis bezahlt.
Knapp vor Beginn der Vegetationszeit hat der Bauträger das „Gestrüpp“ nun beseitigen lassen und ohne Genehmigung weit über 150 Weiden, Robinien und Pappeln gefällt. Doetsch hatte bei der Stadt als zuständiger Landschaftsschutzbehörde einen Antrag auf eine „Umgestaltung“ des Rheinufers gestellt. „Wir hätten der totalen Beschneidung nicht zugestimmt“, sagt der stellvertretende Beiratsvorsitzende Klaus Simon - vor allem auch deshalb, weil in der Stadtverwaltung zurzeit im Auftrag des Stadtrates eine neue Pflegekonzeption für das gesamte Rheinufer erarbeitet wird. Sie sieht noch restriktivere Regelungen für Anwohner und Investoren vor. Im Sürther Fall wäre allenfalls eine leichte Beschneidung der Baumkronen denkbar gewesen, heißt es. Doch zu Kompromissen kam es nicht. Nur wenige Stunden, nachdem das Umweltamt den Bauträger über die Position des Beirates informiert hatte, wurde es von einem Anruf eines empörten Bürgers überrascht: In Sürth werde bereits seit zweieinhalb Tagen das Rheinufer kahl geschlagen. Nur noch ein Baum konnte gerettet werden.
Der Chef der Firma, Klaus Doetsch, wollte sich gestern nicht äußern. Ihm droht nun ein Bußgeld von bis zu 50 000 Euro. Der Bauunternehmer wird von der Kanzlei des CDU-Bundestagsabgeordneten Rolf Bietmann vertreten. Bietmann sagte auf Anfrage, dass er mit dem Sürther Bauprojekt nichts zu tun habe. Doetsch werde von einer Kollegin in seiner Kanzlei betreut.
Beirats-Vize Simon ärgert sich über die geringe Strafe, die Doetsch nun droht. Das Bußgeld zahle er „aus der Portokasse“. Mit 50 000 Euro könne man das Gebiet nicht wieder in den ursprünglichen Zustand bringen, sagt Achim Moers vom Umweltamt. „So ein Eingriff wird nun sehr viel Zeit kosten, die uns bei anderen Projekten fehlen wird.“ Immer wieder würden Genehmigungsbehörde und Beirat von Investoren vor vollendete Tatsachen gestellt. Simon: „Das lässt sich nachträglich nicht rückgängig machen.“