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KahlschlagProteste gegen Baumfällung

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Die Sägen kreischten am Hummelsbroich: Waldarbeiter fällten mehrere alte Bäume. (Foto: Heyltjes)

Refrath – Als Daniel Wieland am Freitagmorgen aus dem Fenster schaute, traute er seinen Augen nicht. Männer in Schutzanzügen sägten an den Bäumen in der Straße Hummelsbroich. Der Student und sein Vater Jörg Wieland fragten beim Gladbacher Ordnungsamt nach und erhielten eine interessante Antwort: Dort lag zu diesem Zeitpunkt keine Genehmigung für die Fällung vor.

Kastanien und Fichten gefällt

Jörg Wieland bezog sofort Stellung unter den Bäumen. Um Zeit bis zum Eintreffen eines städtischen Mitarbeiters zu gewinnen, verwickelte er die Waldarbeiter aus dem Westerwald in ein Gespräch: „Es wäre besser gewesen, die Bäume zu sanieren und so zu erhalten. Das hat uns ein Experte gesagt“, so Wieland.

Die betroffenen Kastanien und Fichten gehören zum Gelände der Firma „Rowa Wagner“. Inhaberin Brigitte Wagner-Halswick gab vor drei Jahren ein Gutachten in Auftrag, nachdem sich Nachbarn über herabfallende Äste und übermäßiges Laubaufkommen beschwert hatten. Die Arbeiten vor Ort überwachte Nladyslaw Kwiatkowski: „Der Gutachter hat alle Bäume von der Wurzel ab untersucht und ist zu dem Schluss gekommen, dass sie krank sind und gefällt werden müssen.“ Vor allem bestehe Gefahr für Passanten und spielende Kinder. Wieland kontert: „Blödsinn! Hier spielen keine Kinder, hier parken lediglich Autos.“

Der Fälltrupp stellte die Arbeit vorübergehend ein und wartete auf den Mann vom Ordnungsamt. Als Verwaltungsmitarbeiter Andreas Weißenberg erschien, flaute die Hoffnung der Anwohner schnell ab: „Ich schaue lediglich vorbei, weil es eine Beschwerde über eine fehlende Absperrung gibt und Äste auf die Straße Hummelsbroich fallen. Mit dem Zustand der Bäume habe ich nichts zu tun.“

Per Telefon holten die Arbeiter anschließend die fehlende Fällgenehmigung beim Ordnungsamt ein: „Jetzt sind Tatsachen geschaffen worden, die niemand mehr rückgängig machen kann“, schimpft Wieland. Wo Bäume stünden, könnten auch Äste fallen. Das sei normal. Die Fällaktion ging später an der Brüderstraße weiter, wo reihenweise Fichten fielen.

„Insgesamt kostet die Entfernung 20.000 Euro. Wir haben auf eine Vorabinformation an die Haushalte verzichtet, weil aus den Reihen der Bewohner die Beschwerden kamen“, sagt Kwiatkowski. Er konnte der Anweisung seiner Chefin folgen, weil es in Bergisch Gladbach keine Baumschutzordnung gibt. Der Besitzer des jeweiligen Areals, auf dem Bäume stehen, ist für sie verantwortlich. Hier greift die Verkehrssicherungspflicht des Eigentümers. Das betroffene Gelände ist im aktuellen Bebauungsplan nicht enthalten.

Wieland vermutete ganz andere Hintergründe. Er hat die Scheiben der gefällten Bäume unter die Lupe genommen: „Die waren kerngesund. Jetzt haben die Fichten in zweiter Reihe keinen Schutz mehr. Nach dem nächsten Sturm müssen sie vielleicht auch weg. Dann kann die Firma das Gelände als Bauland veräußern. So hätte sie die Kosten fürs Fällen wieder drin.“